Gottesdienst zuhause am Sonntag, den 29. März


Miteinander verbunden durch den Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit

 

KERZE anzünden

 

STILLE

 

Im Namen Gottes der Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

GEBET: 

Gott, wieder ist Sonntag. Ich bin zuhause, allein. In den Kirchen findet kein Gottesdienst statt. Aber du bist da. Hier und jetzt. Du verbindest uns mit dir und untereinander

Amen 

 

PSALM 43   (nach Martin Buber © Heinz Pangels):

Schaffe mir Recht, o Gott
und führe meinen Streit gegen ein unbarmherziges Volk, 
von trügerischen und falschen Menschen rette mich.

Denn Du bist ein Gott, der mir Schutz bietet.
Warum hast Du mich verworfen,
warum muss ich so beklommen umhergehen,
in der Bedrohung des Feindes?

Sende mir Dein Licht und Deine Treue, 
dass sie mich leiten,
mich führen zu Deinem heiligen Berg,
hin zu Deinen Wohnungen.

Dort will ich zum Altare Gottes treten,
zu Gott meiner Freude und meiner Wonne,
Dir danken mit Harfenklang,
Gott, mein Gott.

Was betrübst du dich so, meine Seele,
und was tobst du in meinem Innern?

Harre auf Gott!
Ja, noch werde ich ihm danken
dem Heil meines Angesichte,
meinem Gott.

 

 

Gerechtigkeit gibt jedem das Seine,
maßt sich nichts Fremdes an
und setzt den eigenen Vorteil zurück,
wo es gilt, das Wohl
des Ganzen zu wahren.

Ambrosius von Mailand

Liebe Schwestern und Brüder,

Schaffe mir Recht, Gott!

Heute, am Sonntag Judica, geht es um Gerechtigkeit. Was für ein großes Thema. Es ist ein Dauerbrenner, ein Thema, mit dem wir nie fertig sind. In wie vielen Situationen haben Menschen diese Worte des 43. Psalms zu Gott gerufen. Immer wieder. Auch jetzt höre ich den Hilferuf laut und deutlich, eindringlich und vehement: Schaffe mir Recht, Gott! 

Und gleichzeitig zaghaft und zweifelnd:  Schaffe mir Recht… - Gott?

Kann Gott denn helfen? Kann er retten?

Und wie würde das dann gehen? Wie sähe das aus? Gibt es dafür eine Messlatte, mit der ich feststellen kann, ob Gott eingreift, dafür ob und wie ich davon etwas spüren kann?

Der Sonntag Judica ist nicht nur der Ruf nach Gerechtigkeit, er ist auch eine Auseinandersetzung mit unserer Vorstellung von Gott und von Gerechtigkeit. 

Im Predigttext aus dem Hebräerbrief fällt das Wort Gerechtigkeit kein einziges Mal. Aber die wenigen Verse laden uns ein zu einer Auseinandersetzung mit unserer Vorstellung von Gott.

Jesus hat, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor.

So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen.

Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

Hebräer 13,12-14

 

Bleiben Sie zuhause! Wie oft habe ich diesen Apell in den letzten Tagen gehört. Der Predigttext aus dem Hebräerbrief ruft uns dagegen auf hinaus­zugehen. Er blickt auf Jesus draußen vor dem Tor.

Draußen vor dem Tor. Hier spielt sich die Hauptsache ab. Nicht im Zentrum, nicht im Tempel, im Heiligtum. Draußen vor dem Tor, außerhalb der heiligen Zone, am säkularen Ort, dort wo gelebt und gelitten wird, da ist der Ort Jesu, der Ort seines Leidens. Mitten in der Welt setzt sich Gott der Welt aus, so wie sie ist. Dort erleidet er Hohn und Spott und Schläge. Dort geschieht das „es ist vollbracht“ des Karfreitags.

Draußen vor dem Tor. Jenseits von Sicherheit und Vertrautem. Jenseits dessen auch, was uns Heimat gibt im Glauben. Nicht Verharren, sondern Aufbruch ist der Weg. Ja, das ist erschreckend und verheißungsvoll zugleich. 

Wir wünschen uns Heimat und Geborgenheit im Glauben- gerade jetzt. Aber so vieles ist anders jetzt. Die Gottesdienste- sie finden nicht statt. Jedenfalls nicht in vertrauter Weise im vertrauten Kirchraum. Mit Menschen. Es gibt viele, die über Internet, Radio und Fernsehen etwas Neues versuchen. Aber das Vertraute fehlt. 

Und es ist sehr unterschiedlich, wie belastend Menschen die Situation in diesen Tagen erleben:

Angst um die eigene Gesundheit oder die von Familienangehörigen, Sorgen um die berufliche Situation, psychische Belastungen bis an die Grenze für die einen. Und andere, die in all dem auch etwas wie eine Atempause, eine willkommene Unterbrechung erleben. 

Draußen vor dem Tor. Irritierend und tröstend zugleich ist die Vorstellung, dass Gott dort anwesend ist, wo wir ihn als abwesend erleben: im Leiden, im Unsicheren, im Sterben, im Ungerechten. Anwesend im Kreuz. Dieses Kreuz: hässlich, aggressiv. Dieses Kreuz, das da ist und bleibt. Und das doch nicht die bleibende Statt ist. Das Kreuz, durch das etwas hindurch scheint: Ostern.

So wie Dorothee Sölle sagt: „Die Einheit von Kreuz und Auferstehung, Scheitern und Sieg, Weinen und Lachen macht die Utopie einer besseren Lebens erst möglich. Wer nicht weint, hat sie nicht nötig, und wer nur weint, dem bleibt Gott stumm.“

Ist das eine neue Gerechtigkeit, die wir hier erleben? Draußen vor dem Tor? Ja, die Bedingungen, unter denen wir die Corona- Krise erleben, sind unterschiedlich: unterschiedlich die Gesundheitssysteme, die finanziellen Ressourcen eines Landes. Unterschiedlich auch die je persönlichen Gegeben­heiten. Natürlich macht es einen großen Unterschied, ob ich mit meinen Kindern in einem geräumigen Haus mit großem Garten ohne finanzielle Sorgen lediglich den Leerlauf füllen muss. Oder ob ich gesundheitlich ohnehin angeschlagen, beengt oder einsam mit finanziellen Sorgen nicht mehr ein und aus weiß. 

Nein, das alles ist nicht gerecht. 

Gott, verschaffe mir Recht! So unterschiedlich die Situation für jeden ist. Draußen vor dem Tor wartet Gott auf uns. Am Kreuz. Bereit aufzubrechen mit uns. Durch das Gefühl der Verlassenheit zu  einem neuen Morgen. Getragen von seiner Liebe. Untereinander verbunden. Im Aufbruch auch zu einer neuen Gerechtigkeit. Noch sind wir nicht am Ziel. Aber wir sind begleitet von dem, der mit uns geht in die Isolation einer Ein- Zimmer- Wohnung und vor die Tore der Stadt.

AMEN

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

 

FÜRBITTE:

Gott, 

Wir leben in bewegten Zeiten und erfahren, 
dass Gewohntes in Frage gestellt wird, 
dass Lieferketten unterbrochen werden und Werke stillstehen. 
Gott, wir sind voller Sehnsucht nach einer gerechteren Welt, 
in der Menschenrechte und Umweltstandards gelten. 

Wir bitten Dich für alle, die für uns da sind:
für die mutigen und ausdauernden Helferinnen und Helfer,
für Pflegende, Ärzte und Ärztinnen, Verkäuferinnen und Verkäufer,
für alle Einsatzkräfte und Menschen in verantwortlichen Positionen.

Wir bitten dich, behüte alle mit denen wir verbunden sind – in der Nähe und in der Ferne.
Halte sie gesund, ihre Seele und ihren Körper.
Gott leite uns durch die kommende Zeit. Amen

 

VATERUNSER

 

SEGEN:

GOTT segne und behüte dich

GOTT lasse leuchten das Angesicht über dir und sei dir gnädig

GOTT erhebe sein Angesicht über dich und sei dir gnädig.

AMEN