Andacht zum Jahreswechsel


Andacht an Silvester Zuhause von Nicola Nehmzow

Zünden Sie eine Kerze an.

Psalm 121

Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. 
Woher kommt mir Hilfe?
Meine Hilfe kommt vom HERRN, 
der Himmel und Erde gemacht hat. 

Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen, 
und der dich behütet, schläft nicht.  ​
Siehe, der Hüter Israels 
schläft noch schlummert nicht. 

Der HERR behütet dich; 
der HERR ist dein Schatten über deiner rechten Hand, ​
dass dich des Tages die Sonne nicht steche 
noch der Mond des Nachts.  

Der HERR behüte dich vor allem Übel, 
er behüte deine Seele. 
Der HERR behüte deinen Ausgang und Eingang 
von nun an bis in Ewigkeit!

 

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.
Wie es war im Anfang, so auch jetzt
Und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen 

 

Liebe Schwestern und Brüder,
Gemeinde Jesu Christi,
was für ein Jahr!

Neben all den Dingen, die mein Jahr 2020 persönlich ausmachen, prägt dieses Jahr die Corona Pandemie. Es gibt wohl keine Jahresbilanz, in der Corona nicht einen Platz hätte.

Runde Geburtstage, Abschiede, Glück und Krankheit- die private Jahresbilanz fügt sich ein in die kollektive: Es waren Geburtstage, die unter Pandemiebedingungen gefeiert oder gleich abgesagt wurden. Traueranzeigen waren mit dem Hinweis versehen: wegen der aktuellen Situation nehmen wir in kleinem Kreis Abschied. Wer ins Krankenhaus musste, durfte gar nicht oder nur sehr eingeschränkt Besuch empfangen. Werdende Mütter wählten den Geburtsort ihres Kindes danach aus, ob der Vater wenigstens im Kreissaal mit dabei sein durfte. Und wer sich verliebte, der brauchte viel Geduld und Fantasie, um Wege des Miteinanders Corona konform zu leben.

Die Pandemie hat alle getroffen. Ja, das ist richtig. Aber wie existentiell diese für jede und jeden einzelnen ist, gestaltet sich sehr verschieden. Nicht alle stehen vor einem existenziellen Fragezeichen; nicht alle haben Angst um ihre Gesundheit; nicht alle sind einsam. 

Und doch: nie habe ich diesen Satz so oft gehört: dieses Jahr können wir abhaken. Noch nie gibt es so viel Hoffnung darauf, dass das nächste Jahr Besserung verspricht.

Da brachen sie auf. So beginnt der für den Jahreswechsel vorgeschlagene Predigttext aus dem 2. Buch Mose. Das neue Jahr kommt einem Aufbruch gleich. So wird im 13. Kapitel ab Vers 20 berichtet:

So zogen sie aus von Sukkot und lagerten sich in Etam am Rande der Wüste. Und der HERR zog vor ihnen her, am Tage in einer Wolkensäule, um sie den rechten Weg zu führen, und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten, damit sie Tag und Nacht wandern konnten. Niemals wich die Wolkensäule von dem Volk bei Tage noch die Feuersäule bei Nacht.

Bei allen Hoffnungen auf eine veränderte Pandemie Situation im Laufe des nächsten Jahres gibt es einen noch größeren Grund für Zuversicht: Gott geht mit. Seine Präsenz ist unterschiedlich und der Situation angepasst. Ja, es geht darum, den richtigen Weg zu finden und nicht in die Irre zu laufen. Und wir sind und bleiben unterwegs. Die Sehnsucht, anzukommen an einem sicheren Ort, begleitet uns auf unserem Weg. Noch sehen wir noch nicht einmal das verheißene Ziel. Aber wir laufen nicht in die Irre. Denn Gott ist da- vor uns und hinter uns; Gott geht mit.

Realistischer und gleichzeitig tröstender geht es nicht. Der Auszug aus Ägypten ist die Gründungslegende des Volkes Israel. Sie malt Bilder eines riesigen Volkes, das sich auf den Weg macht. Ein Aufbruch aus der Sklaverei hin zu einem sicheren Wohnen im gelobten Land. Es ist erinnerte Geschichte, Berichte, die eine Antwort geben wollen auf die Frage nach dem Woher und Wohin. Historisch ist die Entstehung Israels wohl deutlich bescheidener von statten gegangen. Ob es deshalb weniger dramatisch war, bleibt dahin gestellt.

Dieser Auszug ist geprägt von Hoffnung und Sehnsucht; von Kleingauben und Zweifel; von Angst und Zuversicht. War es richtig, den Schritt zu wagen? Alles hinter sich zu lassen? Trägt der Glaube wirklich oder ist alles nur Schall und Rauch? Ihr Anführer Mose ringt mit seinem Volk, mit den Männern und Frauen, die sich schnell zurück sehnen nach den „Fleischtöpfen Israels“. War früher nicht doch alles besser? Waren wir wirklich so unfrei? Lohnt es sich, den Weg in die Freiheit zu gehen? Auch Mose ist nicht frei von Zweifeln, ringt mit diesem Gott, der sich nicht festlegen lässt auf einen konkreten Namen oder Ort. Der Weg durch die Wüste ist lang- für alle, auch für Gott. Wundersam ist das, was nährt und sich nicht aufbewahren lässt. Vertrauen zu wagen und zu lernen, ist und bleibt mühsam. Und ist letztlich ohne wirkliche Alternative.

Wo wir in einem Jahr sein werden, wissen wir nicht. Aber eines ist sicher, und dieses Versprechen gilt: Gott geht diesen Weg mit uns- so mühsam dieser Weg auch sein mag. Es ist mein Weg. Und es ist ein Weg in einer Gemeinschaft. Zusammen sind wir unterwegs- durch Wüste und Pandemie, mit Zwischenstationen an Oasen und Ruheplätzen. Und immer ist da schon etwas, das aufscheint am Horizont: das Land, in dem Milch und Honig fließen. Der Ort, an dem ich Heimat finde und ein Zuhause. Ein Platz, der Geborgenheit und Sicherheit verspricht. 

Ich bin nicht allein. Denn Gott geht mit. 

Ich bin nicht allein. Denn zusammen sind wir unterwegs. 

Von guten Mächten wunderbar geborgen
Erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist mit uns am Abend und am Morgen
Und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

Amen.

 

Gebet:

Ich lege dieses Jahr zurück in deine Hand, Gott.

Danke für all das Schöne
​Für Glück und Liebe
​Für Gemeinschaft 
​Für Zärtlichkeit und Freunde.

Ich lege auch das Schwere zurück in deine Hand, Gott:

​Angst und Traurigkeit
​Einsamkeit und Krankheit.
Bei dir ist alles aufgehoben.

Nun lass mich geh´n und treten
Nimm mich an deine Hand.
Öffne meinen Blick für deine Gegenwart
Und schenke mir Zuversicht und Hoffnung.

Vaterunser

Gott segne dich und behüte dich
Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig
Gott erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir Frieden.

Amen