Andacht für Zuhause für den 21. Februar


Andacht für Zuhause 

1. Sonntag der Passionszeit (Invokavit)

Zünden Sie eine Kerze an und feiern Sie diese Andacht im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Psalm 91

Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, 
der spricht zu dem HERRN: 

Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe. 

Denn er errettet dich vom Strick des Jägers und von der verderblichen Pest. Er wird dich mit seinen Fittichen decken, und Zuflucht wirst du haben unter seinen Flügeln. 

Seine Wahrheit ist Schirm und Schild, dass du nicht erschrecken musst vor dem Grauen der Nacht, vor dem Pfeil, der des Tages fliegt, vor der Pest, die im Finstern schleicht, vor der Seuche, die am Mittag Verderben bringt. 

Denn der HERR ist deine Zuversicht, der Höchste ist deine Zuflucht. Es wird dir kein Übel begegnen, und keine Plage wird sich deinem Hause nahen. 

Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest. 

 

Gebet:

Gott, 
du bist so anders, als ich mir dich vorstelle. Ich staune. 
Du gehst in den Abgrund. Damit machst du mir Angst. 
Du lässt mich niemals los. Danke.
Amen.

 

Johannesevangelium Kapitel 13:

Als Jesus dies gesagt hatte, war er innerlich aufgewühlt und bezeugte und sagte: »°Amen, amen, ich sage euch: Jemand von euch wird mich ausliefern.« Die °Jüngerinnen und Jünger blickten einander an und wussten nicht, von wem er redete. Einer von ihnen lag am Schoß Jesu, ihn liebte Jesus. Diesem nickte Simon Petrus zu, damit er Jesus frage, von wem er spreche. Jener lehnte sich also zurück an Jesu Brust und fragte ihn: »°Rabbi, wer ist es?« Jesus antwortete: »Es ist der, für den ich das Stück Brot eintunken und ihm geben werde.« Er nahm also das Stück Brot, tunkte es ein und gab es Judas, dem Sohn von Simon Iskariot. Und dann, nach dem Stück Brot, ging die °teuflische Macht in ihn ein. Also sagte Jesus zu ihm: »Was du machen willst, das mache schnell!« Es verstand aber niemand von denen, die zu Tisch lagen, weshalb er ihm dies sagte. Einige meinten, dass Jesus, weil Judas die Kasse führte, ihm sagen würde: »Kaufe ein, was wir für das Fest brauchen!« Oder dass er den Armen etwas geben sollte. Nachdem Judas das Stück Brot bekommen hatte, ging er sofort hinaus. Und es war Nacht.

 

Predigt 

 

Liebe Schwestern und Brüder,

Gemeinde Jesu Christi,

es ist dunkel. Es ist finster. Es ist Nacht. Schlimme Dinge geschehen. Es geht um Verrat; um Leben und Tod: Einer von euch wird mich verraten.

Als wäre es nicht schlimm genug: Eine Freundschaft, die mit Verrat endet. Ein Überlaufen auf die gegnerische Seite, die ein anderer mit dem Tod bezahlen wird.

Es kommt noch schlimmer. Denn: es sollte so sein, ja, es muss so geschehen. Mehr noch, dahinter steht ein göttlicher Plan.

Der Evangelist Johannes mutet uns Unglaubliches zu. Jesu Sterben am Kreuz, sein Leid und Tod ist eine, ist die Liebestat Gottes. Es ist Ausdruck von Gottes Liebe, wenn er seinen Sohn am Kreuz sterben lässt. Das ist unerhört; unglaublich, nicht zu begreifen; nicht zu verstehen. Und logisch ist das alles schon mal gar nicht.

Warum?

Im Johannesevangelium läuft alles auf das „es ist vollbracht“ zu. Im Moment seines Sterbens hat Jesus seine Aufgabe erfüllt. Im Augenblick seines Todes ist Jesus im Himmel. Kreuz und Auferstehung; Karfreitag, Ostern und Himmelfahrt fallen bei Johannes zusammen.

Heute ist erst der erste Sonntag der Passionszeit. Und schon sind wir mitten drin.

Jesus wird ausgeliefert. Gleichzeitig ist es Herr des Geschehens. In unserer Szene ist Jesus der eigentlich Handelnde. Er weiß nicht nur im Voraus, was geschieht. Er selbst führt Regie bei seinem eigenen Verrat. Auch die anderen Evangelisten berichten, dass Jesus aus seinem engsten Kreis von Schülern und Freunden heraus verraten wird. Aber während dort die Szene unbestimmt bleibt, zeigt Jesus hier sehr deutlich, wer es sein wird: Der, dem ich das Brotstück reichen werde. „Da tauchte er den Brocken ein, nahm ihn und gab ihn dem Judas, Sohn des Simon Iskariot“. Und er fordert ihn auf: was du tun willst, das tue bald.

Logisch ist das alles nicht. Einerseits ist Jesus Teil eines göttlichen Plans und führt diesen selbst aus. Andererseits geschieht es ihm. Es wühlt ihn auf, er gerät in Bestürzung. Er treibt das Geschehen voran und wird dabei erschüttert. Der Verrat aus seinem engsten Jüngerkreis heraus bleibt ein dunkles Geschehen. Es lässt ihn nicht unberührt und unverletzt: einer von euch wird mich verraten.

Die Zumutung wird auf die Spitze getrieben, indem Gott es nicht nur so will. Es ist Gottes Liebe, die hier zum Ausdruck kommt. Das ist nicht logisch. Gott ist nicht logisch. Und Glaube an diesen Gott bleibt immer auch eine Zumutung. Die Bedeutung dessen, was am Kreuz geschieht, ist nicht zu fassen.

Wir spüren in unserem Leben in Momenten, dass Gott es gut mit uns meint, dass er uns liebt. Gleichzeitig bleibt diese Liebe rätselhaft. Sie ist nicht zu verstehen. Durch das Kreuz hindurch schimmert bestenfalls eine Ahnung davon, dass göttliche Liebe etwas ganz anderes ist, als wir uns Liebe vorstellen. Wir beginnen zu ahnen, dass Gottes Liebe größer ist als unser Verstehen, aber größer auch als alles Unrecht und jeder Verrat.

Die Passionszeit konfrontiert uns mit einem Gott, der so ganz anders ist, als wir uns Gott wünschen. Die Passionszeit lädt uns darüber hinaus ein, uns selbst in diesem Geschehen zu verorten. Sie macht Angebote, um uns oder doch Anteile in uns besser zu verstehen.

Einer von euch wird mich ausliefern. Die Person des Judas steht für Verrat. Sie steht für die Teufel in einer konkreten Gestalt. Judas ist der, in den der Satan eingeht. Über den engen Zusammenhang der Passion steht Judas als Synonym für Verräter. Verräter faszinieren und erschrecken. Sie sind „Helden der Finsternis von Judas bis Snowden“. So lautet der Untertitel des Buches Verräter von Mathias Schreiber. Er schreibt: „Aus welchem Motiv auch immer er handelt, eines ist gewiss: Es braucht besondere psychische Reserven, zum Beispiel eine tief sitzende Gefühlskälte, ein Talent für Einsamkeit, eine Begabung für Visionen oder auch nur eine lang aufgestaute Wut… Er muss Menschen, die ihm lange wichtig waren, in einem entscheidenden Moment verleugnen können.“

Es gibt den großen Verrat, der es in die Öffentlichkeit schafft. Verrat geschieht aber auch im Verborgenen und im Privaten. Wer hat dieses Gefühl nicht schon einmal erlebt, verraten worden zu sein? Wer war noch nicht dafür verantwortlich, dass ein anderer sich ausgeliefert gefühlt hat?

Es gibt auch den Verrat an sich selbst. Verrat kann Genugtuung hervorrufen, aber auch Reue; er verletzt und verunsichert. Verrat erzeugt Scham, oft auf beiden Seiten. Das Thema Verrat ist ein großes Thema mit vielen Facetten. Als Thema von Filmen und Romanen ist es attraktiv. Gleichzeitig ist es mit einem Tabu belegt.

Das Johannesevangelium setzt sich differenziert mit dem Verrat auseinander. Judas ist eine schillernde Gestalt und lässt sich nicht eindeutig ins Reich der Finsternis abstempeln. Judas ist verantwortlich für das, was er tut. Gleichzeitig führt er ein Skript aus, dessen Autor Gott ist. Er ist ein Dieb, sagt Johannes an anderer Stelle. Er hält unter dem Kreuz stand zusammen mit den übrigen Jüngern. Judas ist bei Johannes auch nicht der Verräter. Das Wort, das Johannes wählt, bedeutet überliefern oder ausliefern, aber eben nicht verraten. Englische Übersetzungen benutzen ein Verb, das auch gebären, zur Welt bringen bedeuten kann. Das Drama, das hier eingeleitet wird, vollzieht sich durch Jesus und Judas. Sie sorgen dafür, dass Entscheidendes das Licht der Welt erblickt. „Ich bin es“, wird Jesus sich zu erkennen geben. Es ist Judas, der mit Fackeln und Lampen für eine flackernde Helligkeit sorgt. Ich bin es, sagt Jesus, und öffnet nicht nur den Soldaten die Augen.

Jesus ist das Licht der Welt. Aber es braucht die Tat der Nacht, um das Licht der Finsternis wahrzunehmen.

Judas und Jesus sind in dieser Nacht nicht allein. Auch die übrigen Jünger sind da, darunter Petrus und ein nicht mit Namen genannter Jünger, von dem es heißt, dass Jesus ihn liebt. Sie alle bieten Möglichkeiten, sich mit ihnen zu identifizieren. Auch wir verstehen manches Mal nicht wie die Jünger. Wir stehen Gott mit unseren Absichten im Weg wie Petrus, der trotzdem als Fels die Kirchengründung vorantreibt. Dann wieder ruhen wir an Jesu Brust wie der Jünger, den Jesus liebte. Auch wir gehen immer wieder hinaus in die Nacht und organisieren Fackeln und Waffen. Die Akteure dieser Geschichte stecken auch in uns. Johannes verurteilt keinen dieser Anteile, keine dieser Personen. Auch wer teuflisch handelt, wird nicht verteufelt. Das Licht Gottes erhellt die verborgenen Anteile in uns und bringt sie zum Vorschein.

Judas ist ein Verräter. Judas ist Teil des göttlichen Plans. Beides stimmt. Judas ist verantwortlich für seine Tat und bleibt eingebunden in ein göttliches Geschehen. Johannes erzählt das Geschehen so offen, dass alle Lesarten ihren Raum haben. Judas ist nicht einfach zu lesen. Er ist nicht zu begreifen, so wenig wie das ganze Geschehen. So wenig wie Gott. So wenig wie ich mich selbst.

Manchmal spaltet sich das Leben in einer Sekunde.
Es ist sinnlos, mich begreifen zu wollen.
Irgendjemand musste es tun. 
Wer ist dieser Judas?
Wer bin ich?
Wer ist Gott?
Wo gehe ich hin? Mit Schuld; mit Angst; in der Verzweiflung der Nacht?
Wo ist mein Platz?- Gesandt; geliebt.
Wann wird es sein: es ist vollbracht. Licht in der Finsternis. Gott ist da.
Amen.

Fürbittgebet

Gott,
was uns vertraut war, ist durcheinander geraten. Vieles, was uns lieb war, können wir gerade nicht machen. Wir sehen das Virus nicht und ahnen doch, wie gefährlich es sein kann.

Gott,
wir suchen nach Orientierung: Welchen Weg sollen wir gehen? Was ist richtig? Wir sehen unser Leben, wissen um unsere Bedürfnisse. Gleichzeitig ahnen wir, wieviel schwerer es andere haben.

Gott,
wir wünschen uns einen Gott, der uns rettet. Wir möchten, dass du stark bist. Du konfrontierst uns mit deiner Schwäche. Du zeigst dich verletzlich und ohnmächtig.

Gott,
wir brauchen deine Kraft. Wir brauchen deine Liebe. Wir brauchen deine Klarheit. Bleib an unserer Seite. Hilf uns, uns selbst auszuhalten. Hilf uns, als deine Töchter und Söhne gemeinsam auf dem Weg zu bleiben.

 

Vaterunser

 

Segen

Gott segne dich und behüte dich.
Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig.
Gott erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir Frieden.
Amen