Andacht an Weihnachten zuhause


Zünde eine Kerze an

 

Wenn du magst, singe eines der Weihnachtslieder, die du magst
(z.B. Kommet ihr Hirten oder Ihr Kinderlein kommet)

Lies die Weihnachtsgeschichte aus dem 2. Kapitel des Lukasevangeliums 

Lies die Predigt

Bete das Vaterunser

Gott segne dich und behüte dich.
Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig.
Gott erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir Frieden.
Amen

Wenn du magst, singe O du fröhliche

Frohe Weihnachten!

 

Ihre/ Deine Pastorin Nicola Nehmzow

 

 

Predigt zur Christnacht 2020

 

Liebe Glaubensgeschwister zuhause,
Gemeinde Jesu Christ,

Weihnachten hat nicht nur eine Wahrheit. Zu Weihnachten gibt es nicht nur die eine Geschichte. Ja, Weihnachten kann man auf verschiedene Weise lesen.

Den vertrauten Worten des Lukasevangeliums setzt der Evangelist Matthäus einen anderen Bericht entgegen: Die Geburt Jesu geschah so, beginnt er seine Erzählung. Als gäbe es eine Tag- und eine Nachtversion dieser wundersamen Menschwerdung Gottes.

Matthäus berichtet von Gefahr und Gefährdung, von Brüchen und Ambivalenzen.

Da ist zunächst der Stammbaum, den Jesus vorzuweisen hat. Matthäus stellt klar, Jesus ist Nachkomme Davids. Denn so viel war deutlich: der Retter würde aus dem Hause und Geschlecht Davids hervorgehen. So haben es die Propheten berichtet. Darin sind sich auch Matthäus und Lukas einig. Aber dann berichtet Matthäus, Josef ist nicht der leibliche Vater Jesu. Wie kann das sein?

Überhaupt dieser Stammbaum: Batseba, Tamar, Rahab, Rut und jetzt Maria, die Frauen. Sie alle haben sperrige Geschichten, setzen sich über Gepflogenheiten hinweg. Batseba, die eigentlich mit Urija verheiratet war. Aber König David zeugt mit ihr ein Kind, vertuscht den Ehebruch und schickt den Ehemann an die Front und macht so den Weg frei für seine Heirat mit Batseba. Aus dieser Verbindung wird später der Thronfolger Salomo hervorgehen. Jener große König, der den Jerusalemer Tempel errichtete. Die anderen Frauennamen in Jesu Stammbaum stehen ebenfalls für ungewöhnliche Wege. 

Auch die Vaterschaft Jesu ist von Merkwürdigkeiten umgeben. Josef ist sich sicher, nicht er ist der Vater des Kindes, das seine junge Frau im Leib trägt.  Die Gedanken kreisen; er will sich trennen. Das sind seine Absichten am Tag. Doch dann kommt die Nacht, und eine andere Stimme spricht in ihm. Matthäus sagt, es war ein Engel. Josef bleibt. Obwohl sein Vertrauen zu Maria erschüttert ist. Obwohl er zutiefst gekränkt ist. Was für eine mutige Entscheidung! Josef bleibt solidarisch mit Maria. 

Matthäus stellt klar: die Verbindung, ja der Ursprung Jesu ist mit Gott von Anfang an verknüpft. Aber mehr noch, wir feiern an Weihnachten nicht ein Fest, an dem wenigstens für Momente alles heil, rund und geborgen ist. Die Erwartung von Erlösung ist eingebettet in das Negative. Gott mit uns, diesen Namen und diese Botschaft trägt Jesus, ja er verkörpert diese. Dieses Gott-mit-uns geschieht mitten in den Brüchen unseres Lebens. Weder Maria noch Josef können letztlich verstehen, was mit ihnen geschieht. Aber sie lassen es zu- und werden verändert. Sie trauen dieser Stimme, diesem Engel, der ihnen das Fürchte dich nicht zuruft. In all den Erwartungen, Wünschen und Plänen, wie es sein sollte, geschieht alles ganz anders. Und gerade hierin zeigt sich Gott, kommt Gott zu uns. 

Matthäus macht deutlich: bei der Geburt Jesu handelt es sich um ein Weltereignis. Die Weisen aus dem Morgenland, die Bildungselite der damaligen Zeit, machen sich auf den Weg. Und König Herodes fürchtet die Konkurrenz eines neuen Königs. Es ist ein kosmisches Geschehen. Ein Stern zeigt die Geburt Jesu an.

Matthäus berichtet, wie gefährdet diese Menschwerdung Gottes von Anfang an gewesen ist. Wie ein Besessener lässt König Herodes das Neugeborene suchen; und weil er es nicht finden kann, zieht er mordend durchs Land und tötet alle männlichen Säuglinge. Da sind Maria und Josef mit Jesus zum Glück längst außer Landes.

Die Welt hat sich nicht geändert seit Jesu Geburt. Aber die Botschaft des Weihnachtsfestes lädt ein, sich dem Fürchte dich nicht anzuvertrauen. Es gibt nicht nur die eine, die dunkle Seite. Mitten in den Abgründen und Brüchen ist Gott solidarisch mit uns und lässt- fast wie im Traum- eine andere Wirklichkeit aufscheinen. Josef vertraut sich dieser neuen Wirklichkeit an. Er bleibt an Marias Seite. Er handelt. Er hört auf die Stimme Gottes, er bricht auf. Und rettet durch Aufbruch und Flucht das neue Leben.

Bei Matthäus wird Jesus nicht im Stall geboren und nicht in der Kirche. Jesus wird zuhause geboren. Bei Matthäus findet Weihnachten in uns statt, in unserem Herzen.

Weihnachten ist der Weg Gottes in unsere Brüche und Abgründe hinein. Gott ist mit uns- das ist wie ein Traum, der Wirklichkeit wird, wenn wir der Stimme des Engels trauen: Fürchte dich nicht. Mach dich auf den Weg. Bleib an der Seite derer, die dich brauchen. Geh nicht den Weg, weil man es so macht. Weil es immer schon so war. Lass dich auf Gott ein. Trau dem Ruf des Engels. Höre auf seine Stimme. An Weihnachten ist alles anders. An Weihnachten wird alles neu. Vertrau diesem Gott-mit-uns. Gott ist mehr als nur ein Traum. Gott-mit-uns ist wahr geworden. Heute. In dieser Heiligen Nacht.

​​​​Amen

 

Die Weihnachtsgeschichte, wie Matthäus sie berichtet, findet sich im Matthäusevangelium Kapitel 1 und 2.

Bekannter als diese ist die Weihnachtsgeschichte des Lukasevangeliums. Gleichwohl gehören zu vielen Krippenspielen auch Elemente aus dem Matthäusevangelium, besonders die drei Weisen (Könige) aus dem Morgenland.