In Zeiten von Corona - Einfälle, Gedanken, Impulse

Am 15. März 2020 hat der Kirchengemeinderat von St. Aegidien beschlossen, sämtliche Gemeindeveranstaltungen, seien es Gottesdienste, Gemeindefeste, Konzerte oder Konfirmandenuntericht, zunächst bis zum 30. April auszusetzen.

Bis zum 14. Mai 2020 schrieb Pastor Thomas Baltrock an dieser Stelle eine Art loses Tagebuch über diese besondere Zeit.

Diese Seite wurde fast täglich ergänzt.

 


Donnerstag, 14. Mai - Epilog

Am 15. März hatte ich dieses Tagebuch begonnen, heute, zwei Monate später, wird es geschlossen.

Die Sonntagspredigt wollte nicht niedergeschrieben werden. Nach drei Anläufen habe ich kapituliert. Manches wirkt als gesprochenes Wort in einer bestimmten Situation, wird jedoch als geschriebener Text peinlich.

Einen weiteren Dank gilt es auszusprechen. Frau Anja - Petra Nitschke hat die Druckfassung des Tagebuchs layoutet und meine Rechtschreibfehler korrigiert. Besonders mit „ss“ und „ß“ scheine ich auf Kriegsfuß zu stehen. Als sie mir das mitteilte - „typisch Lehrerin“ meinte sie - bemerkte sie auch, ihr Mann befürchte, ich sei nun richtig sauer. Keineswegs! Was kann einem Schreibenden Besseres passieren, als Korrektur gelesen zu werden. Danke!

Ich habe Frau Nitschke zur Lektoratsleiterin ehrenhalber ernannt. 

Heute früh habe ich ein unglaubliches Geschehen beobachtet: Auf dem Katzenberg, bei der riesigen Blutbuche, hat eine Ratte eine Amsel angegriffen. Die Amsel ist knapp entkommen; von solchen Vorgängen hatte ich bisher nur gehört.

Ein Jubiläum ist zu feiern: Vor 100 Jahren wurde in Florenz im Caffè Giacosa in der Via de´ Tornabuoni vom Grafen Camillo Negroni beim Barkeeper Fosco Sarselli ein Cocktail zum ersten Mal bestellt - der „Negroni“ eben:

Negroni:

1 Teil Gin

1Teil roter Vermouth (z.B. Martini rosso)

1 Teil Campari

1 halbe Orangenscheibe

Eiswürfel

Man kühle einen Cocktailbecher (Tumbler), gebe Eiswürfel hinein, dann Gin, Vermouth und Campari zu gleichen Teilen. Verrühren. Eine halbe Orangenscheibe dazu geben. Fertig. Vorsicht!

 

Der Lehrtext zur Losung für heute ist - auch - ganz nach meinem Geschmack (2. Kor. 13,5):

Erforscht euch selbst, ob ihr im Glauben steht; prüft euch selbst! Oder erkennt ihr an euch selbst nicht, dass Jesus Christus in euch ist?

  • So. Das war’s. Vorläufig.

    Was hat mich durch die vergangenen acht Wochen getragen?

    Das waren die geschenkten Tugenden von unserem Barockaltar: Liebe, Glaube, Hoffnung, Geduld.

    Da waren Menschen.

    Da waren Aufgaben, die für Menschen zu übernehmen waren.

    Da waren Rituale:      

    Morgens die Losungen, mal tief berührend, mal „links rein, rechts raus".

    Zwei Spaziergänge täglich.

    Das Schreiben dieser Texte.

    Und da waren noch zwei Freudenspender:

    Der erste auf zwei Fotos, einmal mit seiner kleinsten Schwester, einmal der ganze Wurf (Moose ist der zweite von links - schon ganz das Herrchen).

    Der zweite Sorgenhobel - Bild Drei - erklärt sich, denke ich, von selbst. Mehl, Eier, Salz.

    PS.: Weil das Mikrofon sorgfältig in Plastik gepackt war, hat man meine Predigt gestern kaum verstehen können. Ich liefere sie bis Donnerstag an dieser Stelle schriftlich nach. Und dann ist Schluß - vorläufig.

  • Vor dem Gottesdienst heute zwei bedrückende Momente: Im Abkündigungsbuch war die Kollekte des letzten Gottesdienstes in Aegidien eingetragen - es war der 8. März. Und: Die Kollekte heute war bestimmt für die Konfirmandenarbeit - eigentlich wäre heute konfirmiert worden.

    Die Stimmung in der Kirche mit 82 im ganzen Raum verteilten Personen war bedrückt, aber auch feierlich und ernst. Ich war am Mikrofon  - es war in Plastik verpackt - zu leise: warum bölkt da nicht jemand einfach „lauter bitte!“? 

    Beim Introitus merkte ich, wie niedergeschlagen ich ging und musste mich dann ganz bewusst straffen, um aufrecht zu schreiten. 

    Eine wahrhaft weise Losung für diesen Tag: Gott spricht zu Samuel (1. Sam. 10.7b):

    „Geh und tu, was dir vor den Händen ist, denn Gott ist mit dir“

    Der Satz erinnert mich an die Maxime des alten Goethe: „Pflicht ist, die Forderung des Tages zu erfüllen“.

    In einem der ersten Texte dieser kleinen Reihe hatte ich vermutet, diese Krise sei kein vierzehntägiges Maleur, sondern werde unser Leben nachhaltig ändern. Ich fürchte, die Vermutung stimmte. Die Rechnung kommt ja erst noch. Sozial und wirtschaftlich. Auf die Strasse gehen mehr und mehr die Esoteriker, die Rechten, die Klugscheißer, die Überforderten, die Narzissten. Auf dem Katzenberg klebt ein Zettel an einem Baum „Morphologisches Feld / Vorsicht / Sie leben von unserer Angst“. Ehrlich gesagt beunruhigt mich dieser Zettel mehr als das morphologische Feld.

    Heute morgen beim Holen der Zeitung vor der Bäckerei hinter mir einer von diesen gefühlten 40 Millionen Virologen. Ich reagiere da nicht mehr. 

    Sehr bedeutend fand ich einen jungen Demonstranten vor der Berliner Volksbühne mit einem Helm aus Alufolie auf dem Kopf. Der schützt vor den Coronastrahlen. Trump - Country ist nicht so weit weg, wie wir denken.

    In einigen Predigten zur Jahreswende hatte ich bemerkt, wie wenig geschmeidig wir im Alltag auf den Bürgersteigen aneinander vorbei kommen. Rechtsverkehr ist unbekannt. In diesen Tagen fällt mir das noch viel mehr auf. Die beliebteste Variante: Wir halten Abstand - einer rechts auf dem Bürgersteig, einer links, mit einander quatschend. Da darf man dann durch wie durch eine Autowaschanlage: Sprühnebel von beiden Seiten. Ich denke ja, jedes Mal, wenn ich Tabak- oder - ich lebe in der Innenstadt - Cannabisqualm rieche, habe ich auch die Tröpfchen in der Nase.

    Gestern habe ich endgültig die großartige Theoderich - Biographie von Hans-Ulrich Wiemer abgeschlossen. Was mir gar nicht klar war, ist, dass sich hinter Dietrich von Bern eben jener Gotenkönig Theoderich verbirgt und hinter „Bern" nicht die Stadt in der Schweiz, sondern Verona. Die „Rabenschlacht“ ist die Schlacht gegen Odoaker bei Ravenna (=Raben). Einige hundert Seiten Völkerwanderung stimmen nicht unbedingt optimistisch.

    Morgen kommt noch ein Nachklang … . 

  • So, der Gottesdienst für Morgen steht, die Predigt noch nicht ganz, aber ich habe eine Grobgliederung im Kopf, aber das ist immer so bei mir am Samstag.

    Nun heißt es, langsam Abschied zu nehmen von diesem Format. Morgen Nachmittag schreibe ich noch einmal, dann wird diese Textfolge erstmal geschlossen. Ich werde mich ins Amtszimmer setzen und die Texte ausdrucken. Wer Interesse an dieser kleinen Sammlung hat, melde sich doch bitte einfach.

    Eine Fortsetzung in einer ähnlichen Form wird es sicher geben, ich brauche zur Vorbereitung allerdings ein wenig Hilfe von der Pressestelle des Kirchenkreises und anderen medial klügeren Menschen als ich es bin.

    An dieser Stelle ein herzlicher Dank an Nils Papenberg aus unserem KGR, der über fast zwei Monate hinweg täglich meine Texte auf unsere Homepage gestellt hat; danke Nils!

    Die Literaturreihe im Sommer muss leider ausfallen. Ich hatte eine kleine Reihe unter dem Titel „2 x 3 x Klassik: Aischylos, Sophokles, Euripides - Goethe, Schiller, Hölderlin“ geplant.

    Ich hatte für heute einen Friseurtermin ergattert. Es war ein wenig wie beim Zahnarzt.

    Heute pflege ich meine Seele nochmal mit einem asiatischen Essen. Das Pastorat riecht schon jetzt verdächtig nach Garküche.

    Es gibt eine sauer-scharfe Suppe mit Pilzen und Meerestierchen, Weißkohlsalat ( 3 EL Knoblauch, 3 EL frische rote Chilis mit Kernen - die Kirche ist morgen vampirfreie Zone), Laap, das ist ein Salat aus Laos (Hackfleisch, rote Zwiebeln, Limonensaft, Ingwer, natürlich Knoblauch, Minze, Dill und gerösteter, gemörserter Reis) und ein Gericht aus dem Oriental - Hotel in Bangkok: Huhn in Paprika - Curry - Sauce. Also: Ab an den Herd!

  • Seltsame Stimmung heute morgen am Kanal: Alles in grau, treibende Nebelschwaden über Krähenteich und Kanal. Um 8.10 Uhr, zur LN und Hundefütterung im Gärtchen, riss der Himmel plötzlich auf. Blau!

    Buch: Ich lese seit heute Mittag von Thomas Steinfeld „Italien. Porträt eines fremden Landes“. Nach 60 Seiten  - ein kluges Buch. Wussten Sie, dass die größte chinesische Kolonie Europas in Prato, einige Kilometer nördlich von Florenz, italienische Nobelmode näht? 30.000 Menschen. Dass das berühmte Steak aus Florenz, die bistecca fiorentina, eine englische Mode des späten 19. Jahrhunderts ist? 

    Menschentypen (kirchliche) in Zeiten von Corona:

    Die Organisatoren: Wir sind Teil eines gesellschaftlichen Gesamtgefüges von Staat und Kirche, also arbeiten wir zusammen und formulieren Regeln, um Menschen vor Infektionen zu schützen. Augen auf und durch!

    Die falschfrommen Optimisten: „Alles wird gut“. Aus der Perspektive der Auferstehung ist dies für manche gewißlich wahr. Innerweltlich wäre ich mir da nicht ganz so sicher.

    Die Gottesreichsbürger: Wir werden in unseren Gemeinden mit Vorschriften gequält, die so nur in die staatliche Gesetzgebung gehören, unsere Gemeinschaft belasten und ohnehin auf blossen Annahmen beruhen. Die organisierte Kirche macht alles falsch, vertritt mich nicht. Wir feiern Abendmahl - da hat sich noch nie jemand angesteckt.

    Die Überforderten: Ist doch alles übertrieben; wir haben in Lübeck doch nur 7 - oder 11 - oder 23 Fälle. An Grippe sterben mehr. Und warum soll ich Regeln befolgen, die ich nicht verstehe?

    Die Dogmatiker: Ein Gottesdienst ohne …. (tragen Sie bitte Ihre Forderungen ein) ist kein Gottesdienst. Ihr lieben Fundis! Glaube und Kirche sind geschmeidiger, als Ihr denkt!

    Die stillen Mitarbeiter: Wir arbeiten das jetzt ab.

    Und: Die Überraschten: da konnte man über Monate oder Jahre hinweg sein kleines Gärtchen pflegen; ich vermute, in wenigen Betriebsstrukturen gibt es so grosse Freiräume wie in Kirche. Und nun kommen auf einmal klare Ansagen. Das sind schon Zumutungen! 

  • Der Kirchengemeinderat von St. Aegidien hat über Nacht ein Konzept zur Wiederaufnahme des gottesdienstlichen Lebens beschlossen. Dieser Beschluss hängt im Schaukasten der Kirche aus und Sie sollten ihn auch spätestens morgen auf dieser unserer Homepage finden.

    Der Beschluss richtet sich nach den Vorgaben der Nordkirche und unseres Kirchenkreises, ist also nicht „auf unserm Mist gewachsen“. 

    Aber nun:

    Am Sonntag, dem 10. Mai wird es um 10.00 Uhr einen Gottesdienst in der Aegidienkirche geben. Die Form wird den Umständen angepasst. Wir haben Platz für 80 Personen. Eine Anmeldung oder Reservierung ist nicht möglich, da sie faktisch für uns nicht zu organisieren ist.

    Vom übernächsten Wochenende an (16. / 17. Mai) finden 2 identische Gottesdienste statt; der erste am Samstag Abend um 18.00 Uhr, der zweite am Sonntag um 10.00 Uhr. 

    Sollte dieses Angebot nicht ausreichen, ist mir die Möglichkeit eines 3. Gottesdienstes selbstverständlich. Wir werden sehen …

    Es kann geschehen, dass man an der Kirchentür wegen voller Belegung abgewiesen wird. Das kennen wir kaum vom Heiligen Abend. Wir haben uns diese Situation nicht ausgesucht. 

    Für mich ist das ganz furchtbar, ebenso wie der Satz, dass Menschen mit Krankheitssymptomen der Atemwege den Gottesdienst nicht besuchen sollten. 

    Wenn wir uns nicht an die Vorgaben halten - über deren Sinnhaftigkeit oder Sinnlosigkeit hier nicht zu debattieren ist - riskieren wir die Möglichkeit, überhaupt Gottesdienste in unseren Kirchen zu feiern.

    Der Tag: Auf den beiden Hunderunden und einem Lebensmittelliefergang ist mir eines nochmal klar geworden: Ich will meinen Blick auf die Lage nicht von den wenigen Hysteriker*innen und auch nicht von den wenigen schmerzfreien Idiot*innen dominieren lassen. 

    Dennoch mache mir angesichts des fantastischen Wetters und der neuen Freiheiten Sorgen: Ich denke, Himmelfahrt - nein: „Vatertag“ - wird der Prüfstein.

  • Das war gestern ein Tag wie selten: von 6.00 Uhr bis 20.40 Uhr Videokonferenzen und Konzepte zur Wiederaufnahme des gottesdienstlichen Lebens und Schutzkonzepte für Gottesdienste in Zeiten von Corona erstellen. Ausser den Losungen keinerlei Theologie, Literatur und Philosophie. Nicht einmal ein vernünftiges, gemeinsames Abendessen. Reste. 

    Nun, ich lebe noch. Und ein längst Gelerntes und längst wieder Vergessenes bewahrheitete sich: Den großen Berg der Aufgabe, auch unseren Laden wieder zum Laufen zu bringen, in einzelne, kleine Arbeitsschritte zerlegen, diese abarbeiten - und man hat gar keine Zeit mehr für grundsätzliche Resignationen.

    Heute morgen konnte ich das Grün wieder sehen; aber auch: am Kanal zwischen Krähenteich und Mühlenbrücke eine tote Elster, am hohen Weg des Katzenbergs zwei tote Ringeltauben, alle drei nur geköpft. Welcher Beutegreifer macht das? Falken rupfen, Krähen fleddern ebenso wie Möwen. Könnte ein Marder dahinter stecken? Wer eine Idee hat, belehre mich bitte.

    Übrigens ermuntere ich Sie alle, in diesen Tagen einmal auf den Katzenberg zu gehen und die gewaltige Blutbuche  in der Senke gegenüber dem Gewerkschaftshaus zu bewundern. Für mich die Königin der Bäume in Lübeck. 

    Gottesdienst am Wochenende? Ich bitte nochmal um Geduld. Wenn wir alle Vorgaben erfüllen, wird es einen Gottesdienst geben. Ich bin guten Mutes!

    Liebe Grüsse und vielen Dank an alle Mutmacher!

     

  • Vorgestern hatte ich die Handlungsempfehlungen der Nordkirche gelesen - sie sind übrigens kein klerikales Geheimnis, sondern nachzulesen unter www.aktuell.nordkirche.de , gestern habe ich sie mir ausgedruckt, heute morgen auf dem Hundespaziergang war ich zum ersten Mal seit der einsamen Andacht zur Sterbestunde am Karfreitag verzagt und niedergeschlagen. Wie sollen wir mit diesen Vorgaben nur umgehen? Ich merkte heute bei strahlendem Himmel und leuchtendem Grün, dass ich mir ganz bewusst sagen musste: Für die Dauer dieses Spaziergangs geniesst du das, Thomas, und widmest dich dem Hund. Ich sah anfangs überhaupt nichts: „Jubilate“ abgesagt.

    Ich denke, wichtig ist die Wahrnehmung, dass wir nicht allein sind in unserer Gemeinde. Wir sind Teil der Nordkirche, Teil des Kirchenkreises, Teil des Gemeindeverbands Innenstadt. Es gibt einen KGR, es gibt Mitarbeiter wie Frau Böckmann (Sekretärin), Herrn Bürger (Kirchenmusiker) und Herrn Meichsner (Küster) - und: Es gibt teilnehmende Menschen wie Sie!

    Ich habe dann im Laufe des Vormittags versucht, die grossen Fragen in kleinere Aufgaben aufzulösen, habe einen Arbeitsplan aufgestellt. Wir werden das hinkriegen. Ich gehe davon aus, dass wir am kommenden Sonntag in irgendeiner Form in der Kirche einen Gottesdienst feiern werden. Es gibt noch Beratungen und Beschlüsse müssen gefasst werden - z. B. wieviele Menschen zum Gottesdienst in die Kirche dürfen. Ich bitte bis Freitag um Geduld. Ich denke, das Wichtigste ist jetzt, nicht sein eigenes Süppchen kochen zu wollen, sondern als Teil der Nordkirche im Kirchenkreis zu agieren. 

    Puh, das musste mal raus!

    Ab heute sind wir wieder für unsere Frisuren verantwortlich. Ich fand die Idee ganz putzig, dass Kunsthistoriker in 500 Jahren Bilder aus dem Sommer 2020 untersuchen und vermuten, die Deutschen hätten sich anlässlich des Beethoven - Jahres dem Meister zu Ehren seine Frisur wachsen lassen.

    Am Samstag habe ich schöne Ochsenherztomaten bekommen; die soll es gleich geben. Ein Hoch auf die Videokonferenz! Denn: Ich hacke für ein Pfund Tomaten 3 - 4 junge Knoblauchzehen ganz fein (niemals pressen!), gebe sie mit einem kleinen gestrichenen Teelöffel Salz in ein Glasschälchen und giesse 3 Esslöffel Rotweinessig darüber. Abgedeckt 1, 2 Stunden stehen lassen, dann rühren, bis sich das Salz ganz aufgelöst hat. Tomaten in Stücke schneiden, mit dem Knoblauchessig übergiessen, reichlich pfeffern, bestes Olivenöl darüber geben und Basilikumblätter dazu geben. Vorsichtig durchgeben und sofort servieren. Gut für Leib und Seele!

  • Vorweg: es drängt mich, etwas zu der Verordnung der Landesregierung „1 Gottesdienstbesucher pro 15 qm Kirchenraum“ zu sagen. Doch will ich mich zusammen reissen; ich finde, unsere Pröpstinnen haben den Kirchenkreis bisher besonnen und klug durch die Tage dieser Krise geführt - da wäre es nur hinderlich, wenn jeder nun seinen Senf öffentlich dazu gäbe.

    Gerade haben die Glocken von Aegidien begonnen zu läuten - es ist 9.50 Uhr. Ich habe die Terrassentür geöffnet Noch nie waren die Glocken mir so wichtig wie in diesen Tagen.

    Sonntag „Jubilate“: Der Name stammt aus dem alten Eingangspsalm des Sonntags, Psalm 66:

    „Jauchzet Gott, alle Lande! 

    Lobsinget zur Ehre seines Namens;

    rühmet ihn herrlich!“ (Ps 66,1)

    Loben, Jauchzen, Preisen - hier ist anderes, tieferes gemeint als pädagogisches Loben im Sinne von „Loben hilft mehr als Tadeln“. Hier ist gemeint: Zustimmung zur Welt. „Und Gott sah, dass es gut war“. Der Schöpfungsbericht am Anfang der Bibel ist die alttestamentliche Lesung für Jubilate. Es heisst dort: „ … und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser“. Göttlicher Atem durchströmt pulsierend den Kosmos. Alles was ist, ist Teil dieses Gesamtzusammenhangs. Und: die Grundstruktur des Kosmos ist keine zufällige Selbstorganisation der Materie, sondern GEIST.

    Dieser Gedanke wird in der Epistellesung aus der Apostelgeschichte fortgeführt. Im 17. Kapitel hält Paulus seine berühmte Rede auf dem Areopag in Athen (Apg 17,22-34). 

    „ … und fürwahr, er (sc. Gott) ist nicht ferne einem jeden unter uns. Denn in ihm leben und weben und sind wir; wie  auch einige Dichter bei euch gesagt haben: Wir sind seines Geschlechts.“

    Das Evangelium schließlich spitzt diesen Vorstellung auf die Figur Jesu Christi zu (Joh 15,1-8); der zentrale Satz ist Vers 5:

    „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“

    Es geht im christlichen Glauben primär nicht um Dogmen und Regeln der Ethik, sondern um Kraft und Energie: Von woher oder von wem strömt mir diese geheimnisvolle Lebenskraft zu? Johannes weist uns an, uns unserer Christusnatur gewahr zu werden, bewusst in den Zusammenhang von allem einzutreten, der sich in der Christusfigur kristallisiert hat.

    PS.: Der Hallelujavers des Sonntags, (den wir in unserer etwas gestrafften Aegidienlitugie nicht singen) stammt aus dem 150. Psalm:

    „Alles, was Odem (Atem) hat, lobe den Herrn!“

    Es heisst eben nicht: „Alles, was DENKEN kann“, oder „alles, was einen bestimmten Schulabschluss hat“, sondern es geht ums Atmen, was ja bekanntlich nicht auf das Menschengeschlecht beschränkt ist, sondern mit der Pflanzenwelt beginnt. Göttlicher Geist, göttliche Kraft ist eben nicht geförderte Intellektualität, sondern Steigerung und Erneuerung von Lebenskraft. Lobet den Herrn!

    Wenn Sie mögen, schließen Sie heute in Ihr Gebet alle die ein, die in Alten- und Pflegeheimen unter ihrer Isolation leiden, und ebenso die, die versuchen, mit ihrem Dienst die Lage erträglich zu gestalten.

  • Vorab: der Hund ist wieder wohlauf. Er läuft gut und gestern Nacht ist alles in ihm drin geblieben. Und auf der Morgenrunde kam alles, was heraus sollte, am richtigen Ende in willkommener Konsistenz heraus - Hundebesitzer sind so leicht glücklich zu machen!

    Runter mit den Masken! Kennen Sie den Herzog von La Rochefoucauld? Also DEN Herzog? Er lebte im 17, Jahrhundert, seine Familie gehört dem französischen Hochadel an - ich meine, es gibt sie noch heute. Aber jener berühmte Namensträger veröffentlichte ein Büchlein mit Maximen, das ich immer zur Hand nehme, wenn ich nach vielen Süßigkeiten etwas Bitteres brauche. Er reißt den frommen Tugendbolden des Hofes und des Marais, des Adelsviertels von Paris  - das war seine Welt - die Masken herunter. Eine seiner Maximen ist für mich die böseste Wahrheit der Weltliteratur:

    Eine Auswahl:

    Das Motto der Sammlung: „Unsere Tugenden sind meist nur verkappte Laster“

    Und hier kommt er schon, der böse Satz:   „Wir alle haben Kraft genug, die Leiden anderer zu ertragen.“

    „Hätten wir selbst keine Fehler, machte es uns nicht so viel Vergnügen, bei anderen solche zu bemerken.“

    „Jedermann klagt über sein Gedächtnis und keiner über seinen Verstand.“

    „Mit nichts ist man so freigiebig wie mit seinen Ratschlägen.“

    „Wenn wir unseren Leidenschaften widerstehen, verdanken wir das eher deren Schwäche als unserer Stärke.“

    „Man sagt lieber Schlechtes über sich, als gar nicht von sich zu reden.“

    „Wenn die Laster uns verlassen, schmeicheln wir uns mit dem Glauben, wir verließen sie.“

    „Der wahre Edelmann bildet sich auf nichts etwas ein“.

    „Manche Leute ähneln den Liedchen, die man nur eine Zeitlang singt.“

    „Was man auch Gutes über uns sagt, man sagt uns nicht Neues.“

    „Die meisten jungen Leute glauben, natürlich zu sein, während sie nur unhöflich und flegelhaft sind.“

    „Jung ohne schön zu sein nützt so wenig, wie schön ohne jung zu sein.“

    Und noch ein letzter, ich fürchte, wahrer Satz:

    „Im Missgeschick unserer Freunde finden wir immer etwas, das uns nicht missfällt.“

     

    Morgen Mittag gibt es Theologie!

  • Der Untergang des römischen Reiches ist nach wie vor der folgenreichste Vorgang der  europäischen Geschichte vor dem 20. Jahrhundert.

    Das Geschehen ist immer wieder unterschiedlich gedeutet worden. Alexander Demandt listet am Ende seiner bedeutenden Studie „Der Fall Roms. Die Auflösung des römischen Reiches im Urteil der Nachwelt“ 210 Faktoren auf, die im Laufe der Jahrhunderte zur Erklärung der Ereignisse herangezogen wurden, von „Aberglaube“ bis „Zweifrontenkrieg“. In den letzten Jahren ist übrigens das Thema „Klimawandel“ als Auslöser für die Wanderungsbewegungen der Nordeuropäer weit nach vorn gerückt.

    Bis heute ist wichtig das Meisterwerk englischer Prosa von Edward Gibbon „Der Fall und Untergang des römischen Weltreiches“, erschienen ab 1776. Leider gibt es keine deutsche Gesamtausgabe. Er beschreibt die Spätantike als Zeit eines zu bedauernden Verlustes von Zivilisation und Kultur. Im 19. Jahrhundert kommen nordeuropäische Stimmen dazu, die in den Stürmen der Völkerwanderungszeit den Sieg der „unverbrauchten“ germanischen Völker über das dekadente Rom sehen. „Ein Kampf um Rom“ von Felix Dahn gehört dazu.

    Spannend wird die Sache in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts, als Peter Brown und zahlreiche seiner Schüler die Perspektive wechseln: Nicht mehr „Untergang“, sondern „Transformation“, „Verwandlung“ heißt die Parole: Es sei eben nicht alles schlechter, sondern nur anders geworden. Mischa Meier schreibt: „Die meisten Barbaren strebten nach Integration in das römische Reich, nicht nach dessen Zerstörung; man wollte von seinen Reichtümern und seinem hohen Lebensstandard profitieren, keineswegs aber vorrangig dessen Grundlagen zerstören“. Der Satz ist wohl richtig, hat aber einen Haken: Denn indem sich die Barbaren bereicherten, zerstörten sie tatsächlich die Grundlagen der antiken Zivilisation. 

    Man gehe nur einmal ins Landesmuseum von Trier und sehe sich die Modelle der römischen Metropole und jene der frühmittelalterlichen Siedlung an. „Transformation“ halte ich für reine Beschönigung. Hinter diesen Veränderungen steht ja auch menschliches Leid ungeheuren Ausmasses: Kriegszüge, die verbrannte Erde hinterließen, Seuchen, Hunger, Plünderungen, Vergewaltigungen, Morde. „Betet, meine Kinder, harte Prüfungen, schreckliche Heimsuchungen bedrohen die Welt.“ So Theodor von Sykeon im Jahr 602.

    Verloren gingen in den dunklen Jahrhunderten die Verwaltung, das Recht, die Schriftkultur, die jahrhundertelange grundsätzliche Sicherheit des eigenen Lebens und die Möglichkeit der Wahl der eigenen Lebensform. Der Handel des Weltreiches auf dem sicheren Mittelmeer und dem genialen Strassennetz kollabierte weitgehend. Dazu verschwanden sämtliche öffentlichen Bibliotheken, die Wasserversorgung brach zusammen und die Hygiene der öffentlichen Badeanstalten. Und es entstanden dann eben keine neuen, gotischen oder vandalischen Büchersammlungen. Die Bildung brach zusammen. 

    Edward Gibbon beschreibt die hohe römische Kaiserzeit als eine der glücklichsten Epochen der Menschheit. 

    „If a man were called to fix the period in the history of the world, during which the conditions of the human race was most happy and prosperous, he would, without hesitation, name that which elapsed from the death of Domitian to the accession of Commodus“. 

Moose mit Schwester (11. Mai)
Moose mit ganzem Wurf (11. Mai)
Pastor und Pasta (11. Mai)

April

  • Der Tag begann früh mit Bodenwischen im Erdgeschoß - der Hund war nachts runter gegangen. Nach der Morgenrunde habe ich ihm dann eine kleine Portion seines gewohnten Futters gegeben, über den Tag verteilt dann drei weitere. Bisher ist alles drin geblieben.

    Schon seit Tagen bastele ich an einer Liste der Typen und Typinnen von Joggern und Joggerinnen; das ganze bitte als wertungsfrei verstehen! Listen sind ja einer der ersten nicht religiösen Zugriffe des Menschen auf die Welt. Im Alten Orient gibt es die literarische Form der „Listenweisheit“ - da wird einfach aufgezählt, was es alles so gibt. Borges liebte Listen und Eco hat ein ganzes Buch über das Phänomen der Listen geschrieben:

    Also: die Laufenden: An Kleidung gibt es fast alles, ausser Jogginghosen im Lagerfeld´schen Sinn.

    Es gibt, ganz unspektakulär, T - Shirt, Shorts und Laufschuhe; gibt es noch die Wörter „Turnhose“ und „Turnschuh“? Zur Zeit scheinen bei Herren Shorts mit Strumpfhose drunter schwer angesagt zu sein. Heute kam mir ein Pärchen entgegen, die „Zehenfußschuhe“ trugen; ein doofes Wort, doch wenn es für die Vorderläufe „Fingerhandschuhe“ gibt, weiß jeder, was ich meine.

    Dann gibt es unter den Laufenden die Gruppe der Eingeschweissten. Vakuumverpackt traben sie durch die Landschaft, gern neonfarben figurbetont. Und dann gibt es noch die eingeschweissten und verkabelten Laufenden. Sie sehen ein wenig so aus, als würden sie zum Tauchen rennen. Aber die wundern sich wahrscheinlich auch, wenn sie mich in Cord und Tweed mit Hut und Hund wandern sehen, als wäre ich auf dem Weg in die Highlands zur Schneehuhnjagd. Wie singt Fürst Orlowsky in der Fledermaus? „Chacun à son gout“ - Jeder nach seinem Geschmack.

    Gereiztheit wächst. Heute auf dem Brink, später in der Lückenschlange im Supermarkt. Geht das noch ein bisschen langsamer? Ein Herr, der an der Kasse seine Taschen nach seinem Portemonnaie durchsuchte. „Wie - zahlen? Das ist jetzt aber eine Überraschung!“

    Nun: nach 1000 Seite habe ich heute die Lektüre von Mischa Meiers „Geschichte der Völkerwanderung, München, 2019“ abgeschlossen. Sehr eindrucksvoll.

    Morgen, am nichtchristlichen 1. Mai, schreibe ich über die unterschiedlichen Blicke auf den Untergang des römischen Reiches.

    Und schließlich: Am 10. Mai werden wir wohl wieder Gottesdienst in Aegidien feiern können, wenn auch in einer unvertrauten Form, über die in Nordkirche und Kirchenkreis in der kommenden Woche beraten werden wird. Mir fällt die weise Sentenz eines Papstes des 18. Jahrhunderts ein, der aufgefordert wurde, den Jesuitenorden zu verbieten. Es wurden ihm dann manche „abgespeckten“, „kastrierten“, harmlosen Formen der Fortführung des Ordens vorgeschlagen. Er antwortete: „Sie sollen so bleiben, wie sie sind, oder sie sollen nicht bleiben“. Auf Lateinisch natürlich viiiieeel schöner: „Sint ut sunt aut non sint“.

  • Der erste Tag mit Maskenpflicht in Lübeck. Der erste Eindruck: Billiger Katastrophenfilm - nur hatte da noch kein Regisseur die Idee, neben blauen und weißen Masken auch solche aus Nobelstoff vom Herrenschneider und Blümchenmustermasken tragen zu lassen. Die Stimmung in der Stadt  - das ist mein subjektiver Eindruck - gereizt. Morgens gab es im Supermarkt sogar eine Rangelei, als ein unmaskierter Osteuropäer - tut mir leid, es war weder ein Chinese noch ein Norweger - in den Laden wollte. So erfuhren wir, dass wir alle „Scheiß - Nazis in einem Scheiß - Land“ sind. 

    Ich hatte heute neben vier Gesprächen, deren Inhalt unter pastörliches Schweigen fällt, auch eigene Themen: Der Hund ist krank: Er läuft wieder besser, aber nun Durchfall und heute früh auch Erbrechen. Das arme Vieh kann ja nichts dafür, versucht auch um 3 Uhr morgens nasestubsend zu wecken - ich schlafe gerade neben ihm - aber manchmal geht es eben schief und man wird wach vom Geruch, der aus dem Erdgeschoss in den ersten Stock zieht. Er geht brav runter auf die Fliesen. 

    Milchreis mit Schwarztee in dieses Tier zu kriegen, ist verlorene Liebesmüh, Milchreis pur geht, aber nicht aus dem Napf, sondern nur aus Herrchens Hand.

    Und dann habe ich heute unsere Novemberreise nach Myanmar und Thailand abgesagt - wir wollten Städteurlaub in Yangon und Bangkok machen; in Yangon nochmal den „Old East“ erleben, in Bangkok uns hauptsächlich durchfuttern. Vorbei; vielleicht 2021; gewiss, ein Luxusproblem: doch wenn man zwei Jahre für diese Reise spart und sich auch zwei Jahre freut, wird der Abend heute traurig. Ich merke gerade, wie mich die „erfüllten Lebensträume“ trösten.

  • Regen ist in Sicht! Das Pastorat ist ihr dunkel und wird noch dunkler, wenn nun die Linden sich belauben. Und in Richtung Süden steht halt gegenüber die Kirche - aber was da möglich wäre für freien Sonneneinfall wollen wir gar nicht denken mögen!

    Wenn es draussen nass und unfreundlich ist, sind die Räume hier sehr behaglich, wenn draussen die Sonne strahlt, sind sie zum Teil dunkle Löcher. 

    Jetzt mache ich es einmal fix mit den restlichen erfüllten Träumen:

    6. Einen Ring haben:

    Ich vermute, es war der Herr der Ringe von Tolkien, der in mir den Wunsch geweckt hatte, einen Ring zu besitzen. Es gibt ja nicht nur den Einen Ring der Macht, es gibt da auch noch die drei Elbenringe. Einer mit einem blauen Stein, einer mit einem  roten, einer mit einem weißen. Gemeinsam tauchen sie auf, als sich die letzten Elben mit Gandalf auf ihre Reise zu den Anfurten machen.  Der Traum wurde vor 25 Jahren erfüllt. Rot. 

    Ganz schön finde ich im Rückblick, dass es unter den zehn Träumen nur einen „Haben“ - Traum gibt. 

    7. New York sehen:

    Dazu brauche ich, denke ich, kaum etwas zu sagen: Ein Besuch von 14 Tagen und später ein gutes halbes Jahr dort gelebt.

    8. Das alte Japan in Kyoto erleben:

    Gärten aus Kies und einigen Steinen, Gärtner, die bäuchlings auf Bambusgestellen liegen und mit einer Pinzette Kiefernnadeln vom Moos picken, zum Frühstück eine so unglaublich saure, eingelegte Pflaume - warum kalt duschen? Man ist sofort wach! Unfaßbar kunstvoll angerichtete Abendessen in der traditionellen Herberge - satt wurde ich allerdings nie. Doch gab es auch in der alten Kaiserstadt ein bayrisches Hofbräuhaus samt Haxen. Ich habe mich noch nie so hässlich und plump gefühlt wie in den Räumen und Gärten des Katsura - Palastes - ich weiß gar nicht mehr, wie wir in die Räume hineingelangt sind. 

    Die Teezeremonie - in der Tradition der Urasenke - Schule zelebriert: Ich merkte: ich gehöre nicht dazu.

    9. Das Taj-Mahal sehen:

    Das Grabmal, das Schah Jahan für seine geliebte Frau Mumtaz Mahal in Agra errichten ließ. Es ist für mich das schönste Gebäude der Welt -die Geschmäcker sind verschieden.

    10. Verrate ich nicht!

  • Heute früh dazu gelernt: Warum fliegen die großen Möwen patrouillierend den Kanal ab? Weil sie auf Kormorane mit einem Fisch im Schnabel lauern. 

    Heute war es zum ersten Mal Grün. Die Kastanien zeigen ihre Kerzen und die Buchen haben richtige Blätter.

    Ansonsten werde auch ich von Tag zu Tag ungeduldiger, wieder in den vertrauten Alltag zurück zu kehren - nein, das ist falsch: den vertrauten Alltag wird es für längere Zeit nicht mehr geben. Aber ich hätte gern mehr Klarheit, von der ich weiß, dass es sie nicht geben kann. So einen Satz wie: „Ab Pfingstsonntag gibt es wieder Gottesdienste“. Ich fühle mich unterpredigt. 

    Unwesentliche Lebensträume: Welche waren und sind Ihre? Bei mir geht es so weiter:

    Nr. 4: Einmal in Rom leben: Habe ich gemacht: Via Sistina 20, bei Signora Donata Tabet; Ungarin, Opernsängerin, Lehrerin an der Accademia di Santa Cecilia, in Beirut verheiratet, in Rom lebend, von mir für 8,5 qm 900 Mark pro Monat verlangend, allerdings hatte meine Kammer ein Balkönchen, von dem aus ich über das centro storico zum Petersdom gucken konnte. Es gab einen Kaffee zum Frühstück gratis, ein Glas (!) Instant - Kaffee. Ansonsten abends ein Töpfchen Pasta mit Tomatensauce aus dem Glas. Und manchmal Nudeln mit einem Ei. Es waren schwierige Monate. Aber ich war in Rom. 

    Nr. 5: Mal wieder weiß ich nicht, wie diese Idee in meinen Kopf kam: Einmal zu Silvester die „Fledermaus“ in der Inszenierung von Otto Schenk in der Wiener Staatsoper sehen. Es war noch zu Mark / Schilling - Zeiten, online - Reservierungen gab es noch nicht, als ich im September in Wien anrief, um Karten zu bestellen, wurde ich nur ausgelacht. 

    Am 30. 12. stapften wir nachmittags durch das eiskalte Wien und gingen in das nächstbeste der unzähligen Kartenbüros. Irgendetwas musste man ja Silvester unternehmen. Es gab dies und das, mir war es auch schon egal - da kam ein Fax aus dem Gerät:  Zwei Plätze in der Intendantenloge der Staatsoper für die Fledermaus an Silvester! Die beiden teuersten Theaterkarten unseres Lebens, aber bis heute erinnere ich mich an den Abend mit dem Getränk vorweg, den Japanerinnen in edlen Kimonos im Publikum, dem Geläut der Pummerin um Mitternacht und einer so unglaublichen Sause auf der Bühne, Brigitte Faßbaender als Prinz Orlowsky und Otto Schenk höchstpersönlich als Frosch.

    „Glücklich ist, wer vergißt, was nicht mehr zu ändern ist …“.

  • Der Name des Sonntags stammt aus Psalm 89,2 - „Von der Barmherzigkeit des Herrn will ich singen“.

    Im Mittelpunkt des Sonntags steht das Bild vom guten Hirten, der berühmteste Text des Tages ist sicherlich Psalm 23: „Der Herr ist mein Hirte“. Einige Gedanken zu diesem Psalm:

    „Hirte“: Man muss das Bild freihalten von der süßlichen Sentimentalität der Hirtenspiele des 18. Jahrhunderts. „Hirte“ ist ein Königstitel: Tutanchamuns Särge zeigen ihn mit goldenem Krummstab und goldener Geißel. Mit dem Krummstab - bis heute tragen ihn die katholischen Bischöfe - kann der Hirte dem Schaf an die Hinterläufe gehen, es stoppen oder zu Fall bringen, mit der Geißel kann er das Tier - sagen wir mal: beschleunigen.

    Hesekiel klagt die Hirten Israels schneidend scharf an:

    „Wehe den Hirten Israels, die sich selbst weiden! (…) Das Schwache stärkt ihr nicht, und das Kranke heilt ihr nicht, das Verwundete verbindet ihr nicht, das Verirrte holt ihr nicht zurück, und das Verlorene sucht ihr nicht“ (34, 2b + 4).

    Jeder wünscht sich gelegentlich einen guten Hirten, aber keiner will Schaf sein.

    „Er erquicket meine Seele“ - Was das bedeutet? Eine sehr hübsche Konfirmandenidee: „Gott macht mich froh, so dass ich quieke“. 

    Drei Bilder der Fülle: Ein gedeckter Tisch (übrigens „im Angesicht meiner Feinde“ - Gelassenheit im Angesicht des Widrigen; wer auf die völlige Abwesenheit der „Feinde“ wartet, um zur Ruhe zu kommen, wird lange warten müssen), glänzendes Öl für das Haupt und ein voll eingeschenkter Becher. „Glaube“ - nicht als verdrossene Spaßbremse, sondern als Steigerung der Lebensfülle.

    Ein weiterer Text des Sonntags berührt mich unmittelbar: Johannes 21, 18: 

    Der auferstandene Jesus spricht zu Petrus: „Amen, amen, ich sage dir: Als du jünger warst, gürtetest du dich selbst und gingst, wo du hin wolltest; wenn du aber alt bist, wirst du deine Hände ausstrecken und ein anderer wird dich gürten und führen, wo du nicht hin willst“.

    Ich sehe in diesem Wort neben der Ankündigung des Martyriums für Petrus auch die Ansage der wachsenden Ohnmachtserfahrungen in jedem Alterungsprozess. Und: Wer wird eigentlich gürten und führen, wo man nicht hin will: der römische Henker? Jesus? Der Pfleger?

     

  • Es ist ein eigenartig mit Erinnerungen: Sie können uns Halt geben, trösten, dankbar stimmen - sie können uns aber auch lähmen und verhärten. Ich denke, mit zunehmendem Alter wird die Gefahr des erstarrten Rückblicks größer, weil die Summe des Erlebten im Verhältnis zum noch zu Erlebenden immer größer wird. 

    Im Alten Testament ist es Lots Frau, die sich umdreht und angesichts des brennenden Sodoms zur Salzsäule erstarrt. Bei den Griechen sind es die Sirenen, die mit ihrem Gesang die Schiffer ins Verderben locken. Was singen sie eigentlich? In der Odyssee heißt es: „Alles wissen wir dir, was im breiten Troja die Troer , / was die Argeier (Griechen) dort litten nach göttlicher Fügung“. ( Od. 12, 189 f ). 

    Ich wenigstens möchte hier meine 10 verwirklichten, unwesentlichen Lebensträume vergegenwärtigen. Mögen sie unterhalten:

    Nr. 2 meiner Liste: Wale sehen.

    Ich weiß nicht mehr, wie der Wunsch in meinen Kopf gelangt ist. Es gab einen Spielfilm über einen netten Orca, so eine Art früher „Free Willy“ und ich erinnere mich daran, daß ich Erwachsene gern korrigierte, wenn sie „Mörderwal“ sagten. Das heißt „Schwertwal“. Dann erinnere ich mich daran, daß ich bei Moby Dick immer auf der Seite des Wals war und das Versenken des Schiffs nur gerecht fand. In den 60er Jahren wurden  Wale in noch viel größerem Ausmaß gejagt als heute. 

    Mein Traum erfüllte sich im Jahr 2007. Vom 11. 8. bis zum 3. 9. ging es per Schiff ab Hamburg in den Nordatlantik: Die Orkneys - in Kirkwall gab es einen Laden mit Umstandsmode, Babyausstattungen und 200 Sorten Whisky -, weiter über die Faröer und Island nach Grönland, von dort über Neufundland, den St. Lorenz - Golf, Nova Scotia und Irland - Ring of Kerry - zurück nach Hamburg. Zwischen Island und Grönland erste Walsichtungen. Vor Paamiut in der Ferne Orcas. Im St. Lorenz - Golf und dann direkt vor St. Johns Buckelwale in Mengen. Und der absolute Höhepunkt: Mitten auf dem Atlantik war ich mit Ulli Gebauer zu Besuch auf der Brücke, als ein gewaltiger Wal unsern Weg kreuzte. Das Schiff war relativ klein (400 Passagiere an Bord), so dass man stets mehr als einen Punkt sehen konnte.

    Was berührt mich so, wenn ich einen Wal sehe? Viel mehr als Rückenfinne und gelegentlich eine Flute sieht man ja nicht - im vergangenen Jahr sah ich vor Island  einen Wal springen. 

    Ich denke, man begrüßt jeden Wal als einen Überlebenden des großen Schlachtens im 19. Und 20. Jahrhundert. Der älteste Grönlandwal war über 200 Jahre alt. 

    Erfüllter Traum Nr. 3: Safari, Safari!

    Wo der Traum her kommt weiß ich genau: es gibt drei Quellen: Eine Vorabendserie über eine Tierklinik in Ostafrika - „Daktari“ hieß sie und es gab Clarence, einen schielenden Löwen. Quelle 2 war in Fernsehausstrahlung des Films „Serengeti darf nicht sterben“ von Michael und Bernhard Grzimek und die 3. Wurzel meiner Sehnsucht das Buch „Frei geboren - die Löwin Elsa“ von Joy Adamson, als „Born Free“ verfilmt. Die Titelmelodie kann ich noch heute - so gut ich es eben kann - summen. 

    1981 war ich in Ostafrika. Wir starteten in Arusha und fuhren in einem Jeep mit Fahrer und Ranger von Lodge zu Lodge durch die Serengeti und den Ngorongoro - Krater und den Massai - Mara - Park. Diese 12 Tage gehören zu den unvergesslichen Tagen meines bisherigen Lebens. Die Tiere auf ihrer großen Wanderung, Das größte Abenteuer war, als nachts in einem Camp mit Zelten, komfortablen Zelten, aber eben Zelten, die Hunde so laut zu bellen begannen, dass wir davon aufwachten und mit der Taschenlampe vom Nachttisch einer Hyäne ins Gesicht leuchteten, als sie den Kopf in unseren Zelteingang steckte.

    2009 war ich noch einmal vom Schiff aus - wir lagen in Mombasa - im Tsavo - East - Nationalpark mit seinen berühmten roten Elefanten. Dieser eine Tag hatte einen pittoresken Moment: Oryx - Antilopen sind für mich die schönsten ihrer Gattung mit ihrem grau-schwarz-weißem Fell und den prächtigen Hörnern. Kaum waren wir im Park, galoppierte neben unserem Wagen der prächtigste Oryx - Bulle, den man sich nur vorstellen kann, ein Bild von Kraft und Eleganz. Dann stoppte er plötzlich, krümmte den Rücken - Pferde oder Kühe machen das nicht - ging hinten etwas runter und - schiss. Aus die Eleganz.

    Aber da war noch etwas: Kann es sein daß ich meine Tour von 1981 verkläre, oder hatte sich die wirtschaftliche  und soziale Situation innerhalb von 30 Jahren so sehr verschlimmert? 

    Für Ägypten stimmt das. Auf der zweiten und dritten Reise hatte sich sie Lage weiter verschlechtert, die Menschen ärmer, das Militär präsenter. Auch in Kenia hatte ich 2009 den Eindruck, die Armut sei krasser und der Alltag gewalttätiger geworden. 

    Wir haben aus der Ferne den großen Elefanten Satao ( er hat einen Wikipedia - Artikel; das Bild des toten Tieres sollten Kinder nicht sehen!) im Tsavo gesehen - 2009.

    2014 veröffentlichte der Tsavo - Trust (die Parkverwaltung) diese Presseerklärung:

    „Mit großem Bedauern bestätigen wir, dass es keinen Zweifel gibt, dass Satao tot ist, getötet von einem vergifteten Pfeil eines Elfenbeinwilderers, um die scheinbar unstillbare Nachfrage nach Elfenbein in weit entfernten Ländern zu befriedigen. Ein großes Leben ist verloren, damit jemand irgendwo ein Schmuckstück auf seinem Kaminsims stellen kann. Ruhe in Frieden, Alter Freund, du wirst vermisst werden“. 

    Das ist wohl wahr.

  • Immer mehr dämmert mir, daß wir zur Zeit keine Dreimonatskrise durchleben, sondern daß die Welt nach dem Gröbsten von Corona eine andere sein wird. 

    Es gibt einen Ausspruch des greisen Diplomaten Talleyrand, der als Botschafter Frankreichs im  London der zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts inmitten schwarz - weißer Pinguin - Herrengesellschaften immer noch in rosa und himmelblauer Seide mit weißen Kniestrümpfen, Schnallenschuhen und gepudertem Haar auftrat: „Wer das Leben vor der Revolution nicht gekannt hat, hat nicht gelebt“. Völlig klar ist mir, daß es ein Leben weniger auf den Rücken vieler war. Wie bei uns: Werden uns unsere Enkel unsere Reisen, unsere Einkäufe und alltäglichen Vergnügungen glauben? 

    Mir bereiten gerade meine „unwesentlichen Lebensträume“ grosses Vergnügen. Sie lenken mich ab. Mit 15 Jahren hatte ich diese Liste aufgestellt; mir ist nicht immer klar, wie diese Ideen in meinen Kopf geraten sind. Spannend fand ich, daß unter den zehn Träumen nur einmal ein „Haben“ auftaucht, sonst immer „Sehen“ und „Erleben“.

    Haben Sie Lust, mir in diese Welt aus Erinnerungen zu folgen? Na, dann los!

    1. Einmal vor den Pyramiden stehen:

    Ich denke ja, jeder Junge hat einmal eine Ägypten - Phase, meisten nach der Dinosaurier - Phase. Bei den Mädchen meiner Generation kamen nach den Pferden die Sänger … . 

    Ausgelöst hat mein Interesse ein Film, den ich mit meinem Vater im Kino sah: „Die zehn Gebote“. Der Israel - Sinai - Wüstenwanderung - Kram fiel ja ein wenig ab, doch der erste, ägyptische Teil hat mich tief beeindruckt. Irgendwann - auf jeden Fall vor dem Abitur - konnte ich alle Pharaonen der offiziellen 30 Dynastien herunter rattern. Von Menes bis Kleopatra. 

    Drei Nilkreuzfahrten habe ich machen dürfen, die erste von Kairo bis Assuan, die beiden anderen von Luxor bis Assuan und retour, eine dieser beiden Reise eine Gemeindereise mit St. Aegidien. Da gäbe es viel zu erzählen … . Zweimal habe ich also vor den Pyramiden von Gizeh gestanden - und bin zweimal ratlos gewesen. Die Cheops - Pyramide steht da einfach so rum, bedeutet nichts, symbolisiert nichts - „anikonisch“ sagen die Gelehrten -  und ist einfach nur unbegreiflich groß. 

    Die Fahrt auf dem Nil ist nun einmal eine der schönsten Reisen der Welt. Auf der letzten Reise - mit der Gemeinde - war besonders spektakulär das „Candlelight - Dinner“. Der Speisesaal war abgedunkelt und auf jedem Teller lag eine Gurkenscheibe, darüber eine halbe Tomate und darin steckte eine Tannenbaumkerze. - Wenn die Welt kleiner wird und wir uns wieder treffen dürfen, müssen wir eine Reihe mit Reiseberichten in der Gemeinde starten. 

    Aber Ägypten: Jedes Mal, wenn ich im Gottesdienst in Aegidien „Amen“ sage, weht mich uraltes an: In diesem Wort steckt eine semitische Wurzel, aus der sich im Hebräischen das Wort für „Glauben“ entwickelt, in Ägypten ist es „Amun“, der Gott von Karnak, der als der Bleibende verehrt wird: Amen - Amun. Das nenne ich einen Resonanzboden.

     

  • Liebe Leserinnen und Leser dieser Zeilen,

    nach gut vier Wochen erstmal ein herzliches „Danke!“ für Ihr und Euer Interesse. Ich hoffe, ich habe Sie und Euch gelegentlich unterhalten, abgelenkt, inspiriert und informiert. Es wird hier weitergehen, bis wir wieder gemeinsam Gottesdienst feiern dürfen. Sollten wir Besucherbeschränkungen zu beachten haben, sollte man sich zum Gottesdienst anmelden müssen - dann bieten wir eben mehrere an.

    Ich bedanke mich für zwei formidable Nashorn - Postkarten, deren einen Absender ich aber leider nicht entziffern kann - es ist die Karte mit dem Nashornbild aus dem Museum in Schwerin.

    Am kommenden Mittwoch kommt nun die Maskenpflicht; ein kleiner Laden in der Wahmstrasse, der Leinen und Lavendelprodukte verkauft, näht fleissig. In einem Laden in der Hüxstrasse kaufte ich vorgestern zehn waschbare Masken für 15 €, heute waren sie leider ausverkauft, als ich weitere zehn kaufen wollte. Nun der Hammer: In einer Apotheke, die im Fenster mit reichlich vorhandenen Atemschutzmasken warb, sollten die Einwegmasken, die vor Corona-Zeiten Preise im Centbereich hatten, das Stück 3,50 € kosten. Nun: Marktwirtschaft heißt Angebot und Nachfrage - aber: es gibt auch Piraten auf Kaperfahrt … . 

    Mich verunsichert die Situation der begonnenen Lockerungen mehr als die klaren Ansagen der vergangenen Wochen. Der Begriff der „zweiten Welle“ ängstigt mich. Und ich sehe auf den Straßen zwar mehr Masken, doch ebenso auch in unserem Viertel, in unserer Gemeinde,  eine um sich greifende Luschigkeit. „Eh alles übertrieben …“

    Und ich beobachte hier in der Innenstadt, dass es bestimmte Segmente unserer Gesellschaft sind, die sich schlichtweg nicht um die Lage des Gemeinwesens kümmern, weil sie es eben nicht als „gemeinsames“ wahrnehmen. 

    Heute hatten die LN auf der Titelseite ein „Zitat des Tages“, das schlichtweg nicht stimmt: W. B. Yeats: „Hinter der Maske ist immer ein lebendiges Gesicht“. Das ist häufig so. Aber manchmal gähnt hinter der Maske auch nur ein Loch. 

  • Vom Trost von Listen

    Ich muss ungefähr fünfzehn Jahre alt gewesen sein, da habe ich mir eine Liste angelegt: „Die Liste der zehn unwesentlichen Lebensträume“. Orte, die ich sehen wollte, Momente, die ich unbedingt erleben wollte. Es ging also nicht um die grossen Vorhaben wie „Weltfrieden“ oder  „Regenwald retten“, sondern um kleine Träume eines Heranwachsenden. Einmal Wale beobachten und einmal einen Eisberg sehen und einmal vor den Pyramiden von Gizeh stehen. 

    Nun, die Liste ist inzwischen - nach über vierzig Jahren - tatsächlich abgearbeitet und lässt mich sehr, sehr dankbar werden für all das, was ich sehen und erleben durfte. 

    Und ich arbeite schon wieder an einer Liste: Was will ich unbedingt tun, wenn dieser ganze Corona - Spuk vorbei ist? Zwei Vorhaben gibt es schon:

    Ein Besuch im Zoo von Neumünster steht an. Da gibt es etwas gut zu machen: Meine Eltern waren mit mir als kleinem Jungen dort und ich habe einen qualifizierten Wutausbruch hingelegt: Es gab keine Nashörner! Ich war empört. Empörter war ich nur einige Wochen später als wir zu meinem Trost in Hagenbeck waren. Das gab es ein Panzernashorn - das hatte aber kein Horn sondern nur einen doofen, abgescheuerten Knubbel auf der Nase. Das war meine Nashorngeschichte.

    Plan zwei: Der Küchentisch wird ausgezogen und dann wird mit Freunden gekocht, gegessen und getrunken. Das Gröbste wird dann überstanden sein. Ein Hoch auf das Leben! Die Ostervorräte lagern noch im Gefrierschrank und wollen vertilgt werden. Also: Einkaufsliste, Gästeliste, „To - Do“ - Liste, … .

  • Könnte die Ladenöffnung einige Tage zu früh genehmigt worden sein? (Ich freue mich mit jedem kleinen Laden, der nun ein wenig aufatmet). In der Hüxstr., meinem Weg „in die Stadt“ tobte das Leben. Nur eben kein Prosecco im Ausschank.

    Im Fernsehen antwortete eben eine Frau auf die Frage, wie sie die Öffnung kleinerer Läden fände, strahlend: „Ich geh´ jetzt shoppen - endlich mal wieder eine bisschen Lebensqualität!“

    Ich will mich ablenken. Nochmal eine Passage aus den „Römischen Schlendertagen“ von Hermann Allmers, die mich mehr und mehr - ich nehme eine Vokabel des 18. Jahrhunderts - „entzücken“. Er war übrigens kein Privatier, sondern Inhaber einer Ziegelei in der Wesermarsch.

    Beim Anblick der prächtigen Karossen, in denen Kardinäle und Adel die Ostermesse verlassen:

    „Hohe geistliche Würdenträger fahren alle mit gewaltigen schwarzen Hengsten und Wallachen, noch ramsnasig und schwerleibig wie sie im siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert Mode waren, aus dem Gestüt des Fürsten Piombini; die Nobili dagegen haben meistens schöne braune Wagenpferde, die lange nicht so groß und schwer sind und gar oft aus Norddeutschland, Oldenburg und Holstein stammen. Ich mußte oft denken, wenn ich ein so edles Thier vor seiner Karosse halten sah und streichelte: du hast vielleicht schon fettes Gras meiner Heimathsmarschen geschmeckt, bist wohl gar schon von lieber befreundeter Hand geklopft und gepflegt worden, und eines bog den Kopf so weit nach mir her, wie es nur seine Stange erlaubte, und sah mich an, als ob es dachte: wenn ich nur reden könnte, ich möchte dich fragen, wie es geht am lieben Weserstrande. Ich habe Heimweh - denn was ist Rom und die ganze dürre Campagna gegen unsere Fettweiden im herrlichen Butjadingerlande? Das arme Rößlein! Es hat wohl recht, sich mächtig heim zu sehnen, denn man glaubt nicht, welch trauriges Schicksal ihm hier beschieden ist, wenn es alt wird. Fast jeder Tag bringt mir Bilder der empörendsten Mißhandlung der armen stummen Creaturen vor Augen, daß mir das Herz blutet. Die Thierschinderei ist und bleibt der größte Schandfleck der romanischen Völker.“

    Stierkampf, Podenkos (Windhunde) bei lebendigem Leib in Bäume gehängt, Singvögel essen,

    Esel schinden, damit sie fette Touristen auf griechische Inseln tragen, … - nur nicht selbstgerecht werden, lieber Nordeuropäer: Schweinemast in Niedersachsen, Hähnchenküken schreddern, Milchkühe im wörtlichen Sinne auspumpen, Rassehundwelpen aus Kofferräumen -

    Wir wollen das alles ja nur nicht sehen, obwohl wir wissen, dass es geschieht.

  • Ein Nachschlag zu Hermann Allmers: Er war ein viel gelesener Autor, seine „Römischen Schlendertage“ erlebten 12 Auflagen und sind somit das verbreitetste Italienbuch deutscher Sprache nach Goethes „Italienischer Reise“. Zu Allmers gibt es einen ausführlichen Wikipedia - Artikel: Was man so alles nicht weiß … . 

    Der 1. Sonntag nach Ostern: Quasimodogeniti - nach dem lateinischen Eingangsvers der Messe aus dem 1. Petrusbrief, 2,2: „Wie die neugeborenen Kindlein … .“ Der weiße Sonntag: früher trugen die in der Osternacht getauften Christen heute noch einmal ihre weißen Taufkleider.

    Der Predigttext heute ist sehr schön - Jesaja 40, 26 - 31: Der Prophet tröstet das kleinlaute Volk mit dem Hinweis auf den einen GOTT, der hinter allem steht, was ist. Er erinnert an das große Band, das alles zusammen hält. Der „Herre Zebaoth“ - „Herr der Heerscharen“ ist übrigens nicht Gott als Kriegerkönig; die „himmlischen Heerscharen“ sind die Gestirne und Sternzeichen.

    DIE Gestalt des 1. Sonntags nach Ostern ist der ungläubige Thomas in Joh. 20, 24-29. Im Johannesevangelium wird Thomas geradezu vorgeführt: Er sieht Jesus in seinen Tod ziehen: „Lasst uns mitziehen, dass wir mit ihm sterben“. Er regiert resigniert auf Jesus Ankündigung seiner Heimkehr zum Vater: „Wir wissen nicht, wohin du gehst - wie können wir den Weg wissen?“

    Und dann die Finger in Jesu Seite - ich habe immer das Bild der Szene von Caravaggio in Sanssouci vor Augen. Ein ziemlich blöder Thomas popelt da geradezu in Jesu Wunde. Die übrigen zehn Jünger werden selig gepriesen. Thomas eben nicht.

    Spannend ist übrigens das koptische Thomasevangelium, das 1945 in Ägypten gefunden wurde, eine Sammlung seltsamer Jesusworte, vielleicht älter als unsere Evangelien im Neuen Testament.

    Kostproben:

    Jesus sagt: „Wer sucht, soll so lange weitersuchen, bis er findet. Wenn er aber findet, wird er erschrecken. Wenn er erschrickt, wird er staunen. Und er wird König sein über die unsichtbare Welt“. (2)

    Jesus sagt: „Nimm wahr, was direkt vor deinen Augen liegt. Dann wird Gott dir enthüllen, was für dich noch verborgen ist“. (5)

    Jesus sagt „Werdet Vorübergehende!“ (42)

    Jesus sagt: „Wer die unsichtbare, göttliche Welt erkenn, aber nicht sich selbst, der hat alles verfehlt“. (67)

    Jesus sagt: „Ich bin das Licht, das über allem ist. Ich bin die himmlische Welt. Sie ist aus mir hervorgegangen, und in mir hat sie ihr Ziel erreicht. Spaltet ein Stück Holz, ich bin da. Hebt einen Stein auf, ihr werdet mich dort finden“. (77)

  • Der Morgenvogel: Ich sah einen mir unbekannten, kleinen Singvogel, helle Brust, graubraune Schwingen, eine schwarze Kappe - aber keine Sumpfmeise: der Gesang klärte es dann zu Hause: Der Kosmos-Naturführer „Was fliegt denn da?“ schreibt: „Wohltönend plaudernder, perlender Gesang endet mit klaren, langen, etwas wehmütigen Flötentönen“: Es war eine Mönchsgrasmücke. „Wohltönend plaudernd“ - nicht schlecht formuliert. Es erinnert mich an manche Weingeschmacksbeschreibung. 

    Vor einigen Tagen flog mir ein altes Buch zu: „Römische Schlendertage“ von Hermann Allmer, erschienen 1869 in Oldenburg in Oldenburg. Der Privatier war 1858 als vierzigjähriger für ein Jahr in Rom gewesen und beschreibt bezaubernd seine Tage in der Stadt - ein Kapitel mit hausgemachten Gedichten muss man allerdings auch ertragen.

    Übrigens ist vorn im Buch eingedruckt: „In der Bücherei der Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit in Lübeck am (handschriftlich) 17. 11. 1961 gelöscht“. Acht Tage nach meinem Geburtstag, also meiner Geburt.

    Ein Eindruck aus dem Text - nicht Rom, sondern Ausflug nach Neapel:

    „Eine völlig haltlose Meinung ist es, der Italiener sei grundfaul und zu jeder Arbeit unlustig. Wie so viele abgeschmackte Ansichten, stammt auch diese nur von oberflächlichen Touristen her, das kann man sofort an jedem derselben gewahr werden. So schlenderte ich einmal mit einem der Oberflächlichsten dieser Schaar, dem edlen Baron von B. aus Mecklenburg, in Neapel, eben von wohlbesetzter Tafel kommend, am Quai von Santa Lucia, wo unsere Wohnung war. „Sehen Sie einmal dort diese Lazzaronibande, die infamen Kerle, wie die faulen Lümmel da liegen und rekeln sich und schnarchen. Das sollte bei mir in Mecklenburg passieren.“ - Wir traten an die Ruhenden hinan. „Warum arbeitest Du nicht, Bursche?“ fragte mit dummem Gesichte der dicke Baron den ihm zunächst Liegenden. „Weil es jetzt zu warm ist und ich’s just nicht nöthig habe; aber warum arbeitet Ihr nicht, Signore?“ war seine Antwort und Gegenfrage. Darin lag Alles.“

    Wer sich für das Bändchen interessiert, wende sich bitte an mich. Ich verleihe es gegen Unterschrift gern. Bücher werden schließlich nicht fürs Regal geschrieben.

    In den Straßen Lübecks heute eine veränderte Stimmung; ich empfand sie als weniger entschlossen - „wir schaffen das!“ -, es war eine niedergeschlagene Stille, mehr Masken als bisher. Weniger Menschen als bisher. Aber: WIR SCHAFFEN DAS!

    Morgen, Sonntag Quasimodogeniti, gibt´s wieder Bibel.

  • Oh wie peinlich! Und das mir! Die breiten Eiernudeln heißen natürlich nicht „Parpadelle“, sondern „Pappardelle“. 

    Und dann gab es gestern noch zwei nicht berichtete Momente, beide aus der Hüxstraße, kurz vor 10.00 Uhr. Was ich da zu suchen hatte? Ein Gesangbuch verleihen.

    Nr. 1: Gellend schrill: Großes Möwengeschrei über der Straße. Vier Silbermöwen vertreiben einen Rotmilan, einen Greifvogel, den ich noch nie über der Stadt gesehen habe. Ich weiß es nicht - gehen Rotmilane auf Möwenküken?

    Nr. 2: Ebenso schrill: Eine junge Frau brüllt zur anderen Straßenseite herüber, „NN, bleib´ da stehen! Bleib´ da!“. Ein Lieferwagen kommt die Straße herunter, nicht rasend. Zugleich macht sich ihr kleines Mädchen auf ihrer Strassenseite selbständig und wird ebenfalls lautstark zum Bleiben angeschrieen. Der Lieferwagen kommt auf Höhe der Frau mit den beiden Kindern. „Halt an, das ist eine Spielstraße du Asi!“ Ich schüttle im Vorbeigehen den Kopf. Sie: „Schütteln Sie den Kopf über mich? Das ist eine Spielstraße, verdammt!“ Ich: „Die Situation mit ihren Kindern war schon vor dem Lieferwagen nicht glücklich.“ Die weitere Kommunikation können Sie sich denken.

    Bei manchen liegen die Nerven blank, bei manchen blanker.

    Heute: Was ist nun mit den Gottesdiensten? Wann dürfen wir wieder? Für mich war die Klarheit der vergangenen drei Wochen einfacher auszuhalten als diese Unsicherheit. Ich wäre ja zu jeder Schandtat bereit, zusammen mit Kollegen Jessen, der für drei Monate Kollegin Nehmzow vertritt.

    Sonntags drei Gottesdienste, 8.00 Uhr, 11.00 Uhr, 18.00 Uhr. Eintrag am Eingang wie in der Abholung der Eisdiele. 100 Personen dürfen rein. Aber wir werden sehen … .

    Ich merke, wie mir der regelmäßige Gottesdienst fehlt, merke aber auch, dass ich Lutheraner bin: Die Keimzelle meiner religiösen Praxis ist nicht die lutherische Messe mit Eucharistie, sondern mein Lesesessel mit Bibel und Wörterbüchern.

  • Gestern war der Nachmittag lang - das Warten auf die Beschlüsse des Bundes und der Länder empfand ich als nervenzehrend. Heute früh erst habe ich dann realisiert: Travemünde Woche, S - H Musikfestival, Eutiner Festspiele, Karl May in Segeberg …  - nun, Sie wissen das alles. Dazu die Restaurants, die Menschen, die sie betreiben und jene, die dort beschäftigt sind … . 

    Heute früh auf dem Brink bemerkte ich bei mir zum ersten Mal eine unbekannte Gereiztheit. Beim Metzger gab es nur eine Person, die bediente und eine, die kassierte; die Schlange ca. 10 Personen. Vor der Theke wurde geschwatzt - „was nehme ich denn heute?“, „12 x 3 Scheiben, bitte einzeln verpackt … .“ 

    Ähnliche Szenen beim Bäckerwagen: Da ging mir auf, dass diese Situationen für viele, gerade ältere Menschen eben wichtige Kontaktmomente sind. Das stärkte die Geduld.

    Erst gestern Abend die Losung aus dem 5. Buch Mose, 2,7 - sie ging mir unter die Haut:

              „Der Herr, dein Gott, ist bei dir gewesen. An nichts hast du Mangel gehabt.“

     

    Das versprochene Rezept für Ragù alla bolognese:

    Ich nehme ein Pfund gemischtes Hack und lasse es in einem EL Butter und einem EL neutralem Öl grau und krümelig werden, Salz dazu; um Himmels willen Kein Olivenöl! Und das Fleisch nur grau, nicht braun werden lassen! Dann zwei feingewürfelte mittelgroße Zwiebeln und eine Handvoll Karottenwürfel einrühren und gut mit Fett überziehen. (Im Original gehören noch zwei gewürfelte Staudenselleriestangen dazu, deren Freund ich aber nicht bin).

    Ein Glas Milch dazu geben, völlig verkochen lassen, dann ein Glas Weißwein dazu und wiederum völlig reduzieren - immer rühren, damit nichts bräunt.

    Dann eine große Dose (800 ml) Tomaten in Stücke schneiden (Stielansätze entfernen!)  samt Saft in den Topf geben, kurz aufkochen und die Hitze reduzieren. Auf kleinster Hitze 2 - 3 Stunden köcheln lassen. Bei Bedarf esslöffelweise etwas Wasser zugeben. Abschmecken, ev. nachsalzen, pfeffern, eine winzige Prise Muskat ist möglich.

    Mit Pasta vermischen und auf eine vorgewärmte Platte geben: Fettucine, Tagliatelle, Parpadelle sind die besten Varianten. In Bologna gibt es übrigens keine „Spaghetti bolognese“. Nun, ich habe verbotenerweise schon Spaghetti genommen und habe es überlebt. Wer Maccheroni oder Bucatini oder Ziti - also lange Röhrennudeln nimmt, tut dies auf eigene Gefahr - die stehen nämlich unter Spannung! Weiße Tischdecken und Oberhemden sind in Gefahr, und selbst weiße Wände können in Mitleidenschaft gezogen werden - Alles schon erlebt.

    Parmesan getrennt dazu reichen - ich finde übrigens den von Aldi gar nicht mal so übel. Ob Sie alles richtig gemacht haben, erkennen Sie daran: Nach der letzten Nudel darf keine Sosse mehr auf dem Teller sein, sondern nur ein dünner, orangeroter Fettfilm. 

     

     

  • Der Tag begann mit gemischten Eindrücken: Ich war schon um 7.05 Uhr mit dem Hund am Krähenteich; strahlender, völlig wolkenloser Himmel, der Geruch von nassem Gras und Bärlauch - das Rechtschreibprogramm will unbedingt „Barlach“ statt „Bärlauch“ -  in der Luft, aber - kein einziger Vogel: Keine Stockente, kein Schwan, keine Graugans, selbst der Reiher hatte sich verdrückt. Und auch kein einziger Singvogel. Ein, zwei Kohlmeisen ließen sich hören, aber nicht sehen. Sehr seltsam.

    Hinter der Possehlbrücke, dort, wo man auf den Elbe - Lübeck - Kanal blickt und der Stadtgraben beginnt, dann doch noch ein ornithologisches Highlight: Ein fliegendes Bügelbrett auf der Höhe des Gasometers: ein wahrhaftiger Seeadler, ein Altvogel. Da bin ich doch froh, dass ich keinen Dackel habe.

    Sehr schön dann: Blume 2000 am Kohlmarkt räumte nach drei Wochen wieder die Auslagen ein. 

    Weniger schön die Positionierungen zum „Exit“ aus den Bundesländern. Und die Vorlage der Leopoldina finde ich nicht so erleuchtet wie von vielen bejubelt.

    Persönlich haben mich heute vier Erkenntnisse beschäftigt:

    1. Irgendwie war ich davon ausgegangen, dass mit dem Ende der Osterferien auch dieser Spuk ein Ende haben werde. Dem wird nicht so sein. Die Geschichte wird zäh.
    2. Mein erster Tag nach Ostern und ich fühle mich müde. Ich nehme mir nach den großen Feiertagen eigentlich nie Urlaub, sondern predige munter weiter, weil mir aus den Feierlichkeiten auch Kraft zuwächst. Diesmal gern getane Arbeit ohne gottesdienstliche Feste. Da fehlt etwas.
    3. Wie für unser ganzes Gemeinwesen wird auch für Kirche und Gemeinden die Rechnung noch kommen. Diese Rezession wird eine teure Tasse Tee.
    4. Die Klagen über die Belastungen zur Zeit von geschlossenen Kitas, Schulen und Home-Office: Ich denke, mache unter uns sollten das ein wenig relativieren. Mein Vater war Jahrgang 1921, meine Mutter ist Jahrgang 1937: Das was wir gerade an Einschränkungen unserer Lebensqualität erleben, IST KEIN KRIEG.

    Literatur: In der ersten Woche der Pandemie wurde häufiger auf Boccaccios „Decamerone“ aus dem Florenz der großen Pest im 14. Jahrhundert hingewiesen - da gibt es auch einen (Fellini-?) Film. Boccaccio selbst bezieht sich aber auf einen antiken Text, der nicht mehr präsent zu sein scheint: Thukydides, der griechische Historiker des „peleponnesischen Krieges“ aus dem späten  5. Jahrhunderts vor Christus. Im zweiten Kriegsjahr, 430 vor Christus, bricht in Athen eine Seuche aus, die Thukydides glasklar beschreibt. Die Beschreibung der sozialen Folgen der Krankheit ist ernüchternd. (Thukydides, Der peloponnesische Krieg, Buch II, Kapitel 47 - 54). 

    Morgen ein Rezept: Italien, preiswert, es dauert, ist einfach, macht glücklich!

  • Splitter:

    Ich stelle fest, dass die Erkrankung  - und die rasche Genesung - von Boris Johnson meinen Charakter auf eine Probe gestellt hatte. Nun, nach einem kurzen Moment hatte ich bestanden. Obwohl, rein theoretisch natürlich, bei einigen anderen Regierungschefs wäre ich mir nicht so sicher, ob ich der Versuchung der Freude ob einer Infektion widerstehen könnte - sorry.

    Drei große, mich tröstende Momente gab es in diesen Tagen für mich: Die erste Rede von Frau Merkel, die Rede der Queen und das Bild des Papstes, einsam im Regen auf dem Petersplatz. 

    Die diversen Anläufe, sich durch Ankündigung baldiger Rückkehr zur Normalität - mit Verlaub - einzuschleimen, gehen mir auf die Nerven. Ich weiß nicht, was in diesen Zeiten richtig ist, verlange aber gemeinsame Entscheidungen von Bund und Ländern. Manchmal - irre ich mich? - wittere ich  auch nur Kanzleramtsambitionen. Und dann dieser kleine smarte Besserwisser: Von Freiheit verstehe auch ich als Christ etwas: Freiheit heißt eben auch, sich dieser im Dienst an den anderen begeben zu können. Da gibt es einen schönen, freien, liberalen und tiefen Text von Vater Luther: „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ von 1520. 

    Ich finde, die evangelische Kirche - wie auch die katholische Schwester - zeigt sich viel deutlicher in dieser Krise als wir im Lutherjahr 2017. 

    Die Herrnhuter Losung von heute hat mich erwischt; sie lautet - ganz einfach:

     

                           „Und Jakob ging seinen Weg

                           und die Boten (Engel) Gottes begegneten ihm“.

                                                                          1. Mose, 32,1

    Nachher gehts wieder zum Oberarmtraining: Eierpasta machen - mal sehen, ob es klappt. Und dann wird, wie übrigens immer gen Ende eines Wochenendes, der Kochplan bis zum kommenden Sonntag aufgestellt. Die Übung entlastet unglaublich. Wer einen Plan hat, braucht weniger zu denken...

  • Ostersonntag

     

    Christus ist auferstanden! Christus surrexit! Christòs anésti!

     

    Anmerkungen zu meinen zwei liebsten Ostergeschichten der Evangelien:

    Das Evangelium für den Ostergottesdienst ist der ursprüngliche Schluß des ältesten Evangeliums, des Markusevangelium (16,1-8). Im Grab steht ein Jüngling in leuchtendem Gewand und die Frauen „entsetzten sich“. Sie fliehen aus dem Grab, es war sie „Zittern und Entsetzen angekommen“. Das  Evangelium schließt mit der Bemerkung: „Und sie sagten niemandem etwas, denn sie fürchteten sich“.

    Wenige Jahrzehnte später haben dann fromme Schreiber noch 10 versöhnliche Verse aus anderen Evangelien angefügt, um die frohe Botschaft nicht mit Entsetzen, Furcht und Zittern enden zu lassen.

    Der Schrecken der Frauen ist der Schrecken angesichts des Heiligen, der Gottheit, die ganz anders ist, als unser kalkulierbarer Alltag. Man kann gewiß an einem Morgen wie heute den Sonnenaufgang als Symbol der Auferstehung deuten, „Auferstehung“ aber zu reduzieren auf die Ermunterung „Nach jeder Krise geht es weiter! Und jeden Morgen geht die Sonne auf!“ Ist zu wenig. (Übrigens geht es nach jeder Krise weiter, aber nicht für jeden. Und die Sonne wird nach dunkler Nacht wieder aufgehen, aber nicht für alle).

    „Auferstehung“ ist der Schritt in ein Leben, das seine biologischen Grundlagen hinter sich gelassen hat. Ich versuche, es so zu verstehen: je komplexer ein Seiendes ist, desto exzentrischer seine Struktur: Ein Stein ist ein Stein. Eine Pflanze agiert und reagiert bereits. Höhere Tiere - hier spricht der Hundehalter - können sich mit anderen freuen, sie können trauern, obwohl es ihnen selbst prächtig geht. Beim Menschen ist die Möglichkeit solcher Exzentrik nochmals gesteigert. Wir können unser eigenes Leben geben für andere. Das Wort für diese Möglichkeit heißt „LIEBE“. Sie kann uns hinübertragen in ewiges Leben. Christus ist da voran gegangen. Er ruhte in Gott, so dass er lebte, obwohl man ihm sein biologisch gegründetes Leben entriß.

    Ich mag gern die Erscheinung des Auferstandenen am See Tiberias in Joh. 21,1-14: Die Geschichte entbehrt nicht einer gewissen Komik: Einige Jünger waren nachts fischen, hatten aber nichts gefangen. Am Strand fragt sie ein Fremder, ob sie etwas zu essen hätten, was sie verneinen. Er schickt sie nochmal auf den See und sie machen einen guten Fang. Einer der Jünger erkennt Jesus am Ufer und Petrus schmeißt sich ins Wasser und schwimmt voran. Als sie ans Ufer kommen, sitzt Jesus am Strand an einem Lagerfeuer und grillt Fisch und Brot. Er bietet ihnen davon an. 

    Einen tiefen Sinn erkennt Augustinus in dieser Geschichte. Nach Vergeblichkeitserfahrungen (leere Netze) führen die Jünger den Auftrag Jesu aus - dem Hungrigen helfen - haben Erfolg - und sind es dann selbst, die bewirtet werden. So geht das: Sich auf den See begeben, nochmal, sich kümmern, helfen wollen - und dann selbst getätigt werden - und IHN erkennen. 

    Ich bewundere stets aufs Neue die Erwiderung von Mutter Teresa auf die Feststellung der Journalistin Barbara Walters, diese Arbeit würde sie für kein Geld der Welt machen können. Mutter Teresa „Auch ich nicht“.

    Eines zum Schluß: ich habe mich immer wieder gefragt, warum sich der Herr nach seiner Auferstehung nicht seinen Richtern triumphierend als der Lebendige gezeigt hat. „Ihr habt euch geirrt und verloren - ich lebe, denn ich bin Gottes Sohn“. 

    Nun, so pflegt Gott nicht zu handeln: Der eine Abraham, das kleine Israel, der Hirte David, der Sohn eines Zimmermanns. Dörfer in Galiläa, nicht die Akropolis von Athen und nicht das Forum Romanum. Gott pflegt leise zu handeln. Er will nicht triumphierend überwältigen - das wäre eine Beleidigung der Freiheit, zu der er uns geschaffen hat. Er wartet auf unser freiwilliges „Ja“. Wenn wir ihm folgen, leise, still, helfend  - wird er sich uns zeigen als der Lebendige.

    Der Wochenspruch (Offenbarung des Johannes 1,18):

    Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.

     

    Christus ist auferstanden! Christus surrexit! Christòs anésti

     

    Er ist wahrhaftig auferstanden!

     

    Frohe Ostern Ihnen und Euch!

     

     

    Nachtrag 

    Frohe Ostern von uns beiden! Wir haben das Ei gefunden!

    Es war ganz einfach!

     

    Moose und Thomas Baltrock

     

    PS.: Dem Hund geht es besser - und natürlich bekommt er keine Schokolade!

  • Karsamstag

    Gestern habe ich um 14.50 Uhr in der geschlossenen Kirche die Kreuzigung nach Johannes gelesen und dann die Osterkerze gelöscht. So viel Karfreitag war für mich an einem Karfreitag noch nie. Wenn ich in den vergangenen Jahren durch die Andacht zur Todesstunde führte, war ich naturgemäß nicht nur Gläubiger, sondern auch Leiter der Veranstaltung. Gestern kniete ich nun allein unter dem Kreuz und bin in Tränen ausgebrochen.

    Soviel Grabesruhe wie heute war selten an einem Karsamstag. Ich erinnert mich an die vergangenen Jahre, in denen wir immer um 11.00 Uhr in der Aegidienkirche die Osternacht geprobt hatten. Es war natürlich notwendig, mir aber stets auch ein wenig unwillkommen in der Geschäftigkeit der Aktion. Das entfällt nun heute. Leider entfällt auch ein mir lieb gewordenes Ritual des Karsamstags: Nach der Probe bin ich seit Jahren ins St. Annenmuseum gegangen und habe mich für eine halbe Stunde vor den Memling - Altar gesetzt. Ein stiller Tag und wieder diese provozierend strahlende Natur mit blauem Himmel und frischem Buchengrün. 

    Andererseits mag es seine Weisheit haben, dass zwischen Kreuzigung und Auferstehung dieser Tag der Schockstarre liegt. Es mag seine Weisheit haben, dass man sich heute mehr oder weniger in seinem Bau verkriecht. Ein Tag, um zu realisieren, was da geschehen ist. Drei Tage sollen Menschen nach dem Tod gerade eines langjährigen Partners / einer langjährigen Partnerin die Gegenwart des / der Verlorenen noch ganz deutlich spüren. 

     

    Karsamstag:

    Jesus Christus ist eingeschlossen im Grab.

    Die Jünger haben sich aus Angst eingeschlossen (Joh. 20,19).

    Wir sitzen in unseren Wohnungen - aus Rücksicht, Vorsicht und Angst.

     

    Jesus wird das Grab sprengen und verwandelt in eine neue Dimension des Lebens eintreten.

    Die Jünger werden aufbrechen und in alle Welt ziehen.

    Der Herr wird zu uns kommen, unsere verschlossenen Türen durchbrechen und uns in unsere Zukunft begleiten.

     

    Heute Abend werde ich in die Kirche `rübergehen und mit den alten Gebeten die neue Osterkerze signieren und die fünf Wachsnägel einsetzen. Morgen früh soll dann hier ein Bild der brennenden Kerze stehen.

  • Karfreitag

    Das traditionelle Evangelium des Karfreitagsgottesdienstes ist Johannes, 19, 16 - 30.

    In der Aegidienkirche haben wir eine romanische Christusfigur aus dem 13. Jahrhundert, die wohl einmal Teil eines geschnitzten Altars war. Sie zeigt Christus sitzend auf einem purpurfarbenen Thron. Er trägt über blauen und roten Untergewändern ein goldenes Ornat. Die Hände sind segnend erhoben. Der klassische Konfirmandenkommentar zu dieser Figur lautet: „Jesus hatte doch gar keine goldenen Kleider“. Stimmt. Hier ist er jedoch dargestellt als Auferstandener und Weltherrscher. Er hat die Schinderei hinter sich und zeigt sich als Allmächtiger. Wäre er nicht allmächtig, bräuchte ich nicht zu ihm zu beten - dann wäre er nur ein Opfer unter vielen. Deshalb ist er auch nicht nur unglückliches Opfer der Jerusalemer Tempelaristokratie und der römischen Besatzungsmacht. 

    In Gethsemane war er zurückgeschreckt vor dem Weg, der vor ihm lag, doch schließlich hatte er eingewilligt: „Mein Vater, ist’s möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht wie ich will, sondern wie du willst.“ (Matth. 26,39). Bei jedem Beten der Vaterunser - Bitte „Dein Wille geschehe“ treten wir ein in dieses Einschmelzen unseres Willens in den göttlichen Ratschluss.

    Jesus ist seinen Weg in den Tod freiwillig gegangen. Warum? Weil wir alle sterben müssen. Er will uns auch auf unserem letzten Weg in dieser Welt nicht allein lassen.

    Der goldene Christus in Aegidien hat aber noch eine zweite Bedeutungsebene: Er zeigt seine blutigen Wunden an Händen und Füssen: Er hat nicht vergessen, wie es ist, wenn es weh tut. Die Zeit heilt diese Wunden nicht.

    Es gibt in Jerusalem den Brauch, sich ein Kreuz zu mieten und es die Via Dolorosa entlang zu tragen, um Jesus auf seinem Weg nach Golgatha nahe zu sein. Irgendwo in der Welt - ich weiss nicht, in welchem Land - lassen sich Menschen real an Kreuze nageln, um dem Herrn nahe zu sein. Ich halte beides, bei allem Respekt, nicht für notwendig. Das Kreuz muss nicht aus Holz und die Nägel nicht aus Eisen sein: Das Kreuz kann ein wachsendes Karzinom sein oder der Tod eines geliebten Menschen, Sorge um die eigene wirtschaftliche Existenz, die vielen Menschen bei uns zur Zeit den Schlaf raubt, oder die Einsamkeit in den eigenen vier Wänden. Das Kreuz hat so viele Gestalten wie es Menschen auf der Erde gibt. 

    Und da flüstert der Herr dann leise in uns: „Du, ich kenne dieses Gefühl; ich weiß, wie weh es tut“.

    Deshalb starb der Herr am Kreuz. 

     

     

    Karfreitag, 15.00 Uhr: Todesstunde Jesu

    Heute vormittag werde ich in die Kirche gehen, den Altar abräumen - keine Leuchter, keine Paramente. Um 15.00 Uhr, wenn die Totenglocke erklingt, werde ich Johannes 19,16-30 laut lesen und die Osterkerze löschen. 

    Eine alte Andachtsform für den Karfreitag ist die Meditation der sieben Worte Jesu am Kreuz: Über die vier Evangelien verteilt, finden sich diese letzten Worte Jesu: Im Mittelalter wurden sie zusammen gestellt und entwickelten sich zu einer Anleitung der Lebens- und Sterbekunst.

     

    1. „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ (Lk 23,34)

    Es heißt nicht „Ich vergebe“, sondern „Vater , vergib“: „Father, forgive“ - so beginnt das Versöhnungsgebet von Coventry. „Vergeben“ - ich weigere mich, das was du mir angetan hast, auf meinem Wege mit mir zu schleppen. Ich lege die Last meiner Kränkung, meines Zorns in Gottes Hand. „Denn sie wissen nicht, was sie tun“ - diese Worte bleiben Jesus vorbehalten, aus meinem Mund wären sie nur selbstgerecht und anmaßend.

     

    2. „Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradiese sein.“ (Lk 23,43)

    Ich lasse dieses Wort an einen der beiden Verbrecher, die mit Jesus gekreuzigt wurden, mir selbst gesagt sein. Egal, wie ich gelebt habe, die Tür ist nicht verschlossen. „Spät, sehr spät habe ich dich geliebt … „ betet Augustinus.

    Der Sohn hatte sein Erbe verprasst und war unter die Säue gefallen. Er kehrt um - und sein Vater freut sich.

     

    3. „Frau, siehe, dein Sohn!“ Und „Siehe, deine Mutter.“ Joh 19,26-27

    Jesus bestellt sein Haus, er ordnet seine Verhältnisse. Habe ich einen Ordner für die, die mich überleben? Passwörter, Kontonummern, Wünsche für meine Beerdigung, Gaben für einige Lieben. Und : Gibt es Gespräche, die noch geführt werden sollten, Briefe, die noch geschrieben werden sollten?

     

    4. „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Mk 15,34; Mt 27,46)

    Er verläßt mich nicht - und trotzdem gibt es diese Momente der absoluten Einsamkeit und Verlassenheit. Der sterbende Jesus steigt herab auch in diese letzte Not. Für mich ist dieser Schrei der Ort des Abstiegs Jesu in die Hölle. Jede Not verdoppelt sich, wenn sie in Einsamkeit ertragen werden muss. Heute denke ich an alte, kranke Menschen, die nicht besucht werden dürfen.

     

    5. „Mich dürstet.“ (Joh 19,28)

    Auch in aufgeregten Zeiten und schlimmen Situationen gibt es diese Grundbedürfnisse: Ich esse, ich trinke, ich wasche mich. Und „Durst“ ist im Buddhismus der elementare Wunsch nach Leben, ein Durst, der nie gestillt werden kann.

     

    6. „Es ist vollbracht.“ (Joh 19,30)

    „tetelestai“ heißt es auf Griechisch. „telos“ heißt „Ziel“ und „Ende“. Jesus ist am Ende und am Ziel seines Lebens angelangt. Selig sind die, für die Ende und Ziel zusammenfallen. Gott erbarme sich derer, deren Leben am Ziel ist, aber nicht enden will. Gott erbarme sich derer, deren Leben endet, bevor es an sein Ziel gelangt ist.

     

    7. „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist.“

    „Vater“ - so begann das erste Wort, so beginnt das letzte. Sein leben vertrauensvoll in die Hände des Vaters geben. Loslassen können. Das will geübt sein. Dieses Wort kann ein kleines Abendgebet sein: Vor dem Einschlafen diesen Satz sprechen und so den Tag in die Hände des Vaters zurück geben. Und dann gut schlafen.

     

  • Gründonnerstag

    Eine eigenartig mehrdeutige Stimmung liegt über dem Fest der Einsetzung des Abendmahls: Da ist die Innigkeit eines Essens mit Freunden, gepaart mit dem wehmütigen Wissen, daß es die letzte Zusammenkunft in dieser Form gewesen sein wird. Nähe und Abschiedsschmerz durchdringen einander.

    Historisches: Der letzte Abend Jesu im Kreis seiner Jünger mit der Stiftung des Abendmahls und der Verheißung seiner Gegenwart im Vollzug dieses Rituals ist historisch gut belegt. Natürlich gibt es in historischen Fragen keine hundertprozentige Gewissheit, doch eines sollte klar sein: Wenn der Abendmahlsbericht eine Erfindung der frühen Kirche sein sollte, um kultische Zusammenkünfte der ersten Christen mit der Legende über einen Auftrag Jesu zu legitimieren, dann fände eine Begegnung von Gott mit dem Menschen im Altarsakrament nicht statt, es wäre eine Art gehobener Geselligkeit und Beschwörung einer nicht existierenden Gemeinschaft zwischen Gott und Mensch und Mensch und Mensch - fake news.

    Viermal wird die Stiftung des Abendmahls im Neuen Testament berichtet: Im 1. Korintherbrief (11,23-25) zitiert Paulus die Einsetzung ausdrücklich als eine Tradition, die ihm überliefert worden sei. Den 1. Kor. kann man auf das Jahr 56 n. Chr. datieren. Seiner Überlieferung ganz ähnlich ist der Bericht im Lukasevangelium (22,19-20). Matthäus  (26,26-28) und Markus (14,22-24) weichen gemeinsam minimal ab. 

    Die vier Berichte stimmen in den vier Grundelementen überein: Ein Dankgebet, das Brotbrechen samt Brotwort, das Weinwort und schließlich der Wiederholungsauftrag.

    Vier Bemerkungen zu diesen vier Momenten - keine Geschichte der Abendmahlstheologie.

    Doch eine Bemerkung vorweg: Ich habe als Konfirmand und als junger Student nichts von dem begriffen, was da vor sich geht. Ein für mich irrationales Ritual, das man eben so mitmacht - es schadet ja nicht. Und: Bis heute bin ich nach wie vor der Meinung, daß mit einer neuzeitlich - naturwissenschaftlichen Herangehensweise da gar nichts zu verstehen ist. Der Vorgang des Abendmahls bleibt voraufgeklärt irrational.

    Begonnen habe ich, Zusammenhänge zu verstehen über Umwege: Vor allem ein Buch: „Die Wahrheit des Mythos“ vom Kieler Philosophen Kurt Hübner (München, 1985): Er unterscheidet „Mythos“ und „Mythologie“. „Mythologie“ sind die phantastischen Göttergeschichten und Sagen der Griechen und anderer alter Völker. „Mythos“ ist eine eigenständige Weltsicht, anders als unser neuzeitliches Weltbild, aber mit einer eigenen, in sich schlüssigen Logik. 

    Wer sich für die wichtigsten fünf Seiten über „Die Rolle der Einheit von Ideellem und Materiellem, des mythischen Verhältnisses von Ganzem und Teil sowie der mythischen Substanz im Fest als Opfermahl“ interessiert, es sind die Seiten 187 - 192.  Es steht in der Stadtbibliothek und kann natürlich bei mir im Pastorat eingesehen werden. Für mich waren diese Seiten damals eine Offenbarung. Seitdem verstehe ich, was ich am Altar tue.

    Aber nun:

    Jesus dankt - er spricht das Eingangsgebet des Passahmahls, die „berakah“. Luther übersetzt immer „dankte“, wo im Griechischen zwei verschieden Wörter stehen: Bei Matthäus und Markus eucharistia - „Dank“, bei Paulus und Lukas eulogia - Segen“. Dahinter verbirgt sich ein Geheimnis: Was mit Dank von Gott empfangen wird, senkt sich als Segen auf den Dankenden herab. Beginnen Sie Ihren Tag ohne zu danken, Alltag eben, manches gelingt, manches nicht, manches freut, manches ärgert. Beginnen Sie Ihren Tag mit einem Dank an Gott für eben diesen Tag - und er wird verwandelt, gesegnet sein.

    Jesus bricht das Brot, er teilt: Jedem, was er braucht. Diakonie und Kult sind keine parallelen Gleise im Christentum, sondern beide sind verbunden im Zentrum christlichen Handeln. 

    Das Weinwort ist abgründig: Der Bund vom Sinai klingt an, der „Neue Bund“ des Propheten Jeremia (Jer 31,31) und die Gestalt des Gottesknechts bei Jesaja, der sein Leben gibt als Sühne für die vielen (Jes 53,12). 

    Ein „Neuer Bund“, der nicht auf Gehorsam gegen Gebote gegründet ist - wir Menschen können das nicht -,  sondern ins Herz geschrieben ist. In ein Herz. In das Herz Christi. Unverbrüchlich trägt Gott seine Treue bis in die Abgründe menschlichen Lebens. Gott schließt einen Bund mit sich selbst, hat den Menschen in der Gestalt Jesu in diesen Bund hinein geholt. Er bleibt sich treu. Im zweiten Brief an Timotheus bringt Paulus es auf den Punkt: „Wenn wir untreu sind, bleibt er doch treu, denn er kann sich nicht selbst verleugnen“ (2. Tim. 2,13).

    „Solches tut zu meinem Gedächtnis“: „anamnesis“ - „Gedächtnis“: Keine Wiederholung, sondern Vergegenwärtigung: In der Eucharistie treten wir heraus aus den Logiken historischer Zeit: ER tritt in unsere Mitte, gibt sich und nimmt uns mit auf seinen WEG.

    „Kommt Kinder, lasst uns gehen, der Abend kommt herbei“ beginnt der Choral EG 393.

  • Heute früh war der Mörderschwan unterwegs: Er hatte letztes Jahr versucht,  alle zu ertränken, die ihm in die Quere kamen: Enten, badende Hunde, schwimmende Menschen. Er jagte zischend mit großem Flügelspreizen das Grauganspaar über die Krähenwiese. Vorgestern hatte er schon versucht, die beiden im Krähenteich tot zu beißen und zu ersäufen, sie waren nicht wehrlos, aber dieses Verhalten auf der Wiese habe ich noch nie beobachtet. 

    Wie heißt eigentlich ein männlicher Schwan? „Hahn“? Keine Ahnung; aber „Schwanter“ fände ich ganz gut, noch besser „Schwarpel“.

    Das Dompfaffpaar gesehen! Die hätte ich ja gern in meinem Garten.

    Ansonsten habe ich an den Texten für die Osterfeierlichkeiten gearbeitet - morgen um 17.00 Uhr soll der Gründonnerstagstext hier stehen.

    Eine schöne Rückmeldung von einer mir namentlich nicht bekannten Frau auf dem Hundespaziergang: Sie lese dieses Tagebuch allabendlich: „Sie sind ja ein Mensch mit Hund und Küche und nicht nur so ein Tröstomat. „Tröstomat“ fand ich schon eine tolle Wortfindung.

     

    Übrigens war heute die neutestamentliche Lesung in den Losungen toll:

     

    Joh.16,20: (Christus spricht) „Eure Traurigkeit soll zur Freude werden“!

     

    PS.: Ich bin gerade sehr traurig wegen des Ausfalls der Osterfeierlichkeiten.

     

     

  • Mein Kommentar zur Rede der Queen gestern war zu formal und zu ironisch gefärbt. Also: Mich hat ihre Ansprache berührt und gerührt. Mit „We will meet again“ zu schließen, einer Liedzeile, die sie schon 1943 (1942?) in einer Rede an die Briten zitiert hatte, hat mir eine Gänsehaut bereitet. Entschlossenheit, Ausdauer, Mut, Hoffnung. Das waren große Haltungen, die Elisabeth II. vorausgesetzt, gefordert und beschworen hat.

    Das kleine Leben in Lübeck: ich brachte gerade Mittagessen ausser Haus, als ich jovial von der anderen Strassenseite angerufen wurde: „Na Herr Pastor, endlich mal Osterferien?“ Nuuun - für was so eine Maske doch alles gut ist! Übrigens geht es mir gut, ich bin auch gut gelaunt, nur die Atemschutzmaske macht Atemprobleme … . 

    Was ich in diesen Tagen so mache: Der Tag erhält seine Grundstruktur - wie auch in Tagen ohne Corona - durch den Hund: Um 7.00 Uhr die Morgenrunde, eine bis anderthalb Stunden, um 13.00 Uhr die Mittagsrunde, nochmal eine bis anderthalb Stunden. Morgens dann die Zeitungen, LN und Süddeutsche, anschließend Schreibtisch und Telefon. Viel Gespräche zur Zeit, mehr als sonst. Es ist nicht so sehr die Krankheit oder die Angst vor der Krankheit, sondern es sind die Existenzängste, die ich miterlebe.

    Ich kann in kleinen Läden Essen bestellen, obwohl ich lieber selber koche, Bilder rahmen lassen, die ich nie rahmen lassen wollte - kurz: im Viertel Geld ausgeben; materiell Tropfen auf den heißen Stein, Ohnmachtserfahrungen.

    Ich koche ja gern und nur ungern Zwei-Personen-Portionen: so wird mittags Essen ausgetragen und auf dem Rückweg eingekauft.

    Nach dem Mittagshund dann wieder Schreibtisch. Die Texte für die Osterfeierlichkeiten müssen geschrieben werden. „Müssen?“ Nun, ehrlich gesagt, ist es große Freude und tiefe Befriedigung für mich, wenn ich mich im Kern unseres Glaubens denkend und schreibend - ich hoffe, in dieser Reihenfolge - herumtreiben darf. 

    Gestern die Matthäuspassion - nein, nicht Bach, sondern Bibel - laut gelesen; heute ist das Markusevangelium dran. Wenn man das in der Karwoche macht - morgen Lukas - wachsen die Texte zu größerer Realität als der vermeintlich reale Alltag. Eine Erfahrung, die für mich nicht einfach zu ertragen ist. Ostern wird kommen, aber Ostern ist noch nicht. 

  • Gestern habe ich die Rede der Queen verfolgt. Das war wahrhaft ermutigendes Pathos, gesprochen mit einer Oberlippe, die sich kaum zu bewegen schien. 

    Gestern Mittag zuckte es dann bei mir zum ersten Mal: Ab in den Bus oder Zug und mit dem Hund nach Travemünde! Nun, die Vernunft hat gesiegt - oder doch eher die Einsicht, dass es mit einem schönen Getränk in der Sonne auf der Hermannshöhe eh´ nichts werden könnte.

    Also habe ich mich im Garten mit einem großen Bildband vergnügt, denn heute ist ein besonderer Tag. Vor 500 Jahren starb Raffael, mir der Liebste unter den alten Meistern. Zwischenzeitlich war ich ihm untreu und fand Michelangelo und Caravaggio viel spannender als die gelassene Harmonie der meisten Bilder Raffaels. Doch seit einigen Jahren gehen mir die Muskelmassen von Michelangelos Oberarmen - egal ob Prophet oder greise Sybille - und das kalkulierte Bühnenlicht Caravaggios auf die Nerven. 

    Raffael also: Seine Ausstattung der „stanza della segnatura“ im Vatikan mit den Fresken zur Philosophie, Theologie, den Kardinaltugenden / dem Recht und schließlich der Poesie ist für mich zusammen mit dem hochgelehrten Programm der Gewölbefresken der emblematische Raum Europas. Sollte ich anhand von Bildern erklären, was den europäischen Geist ausmacht, würde ich es anhand des Bildprogramms dieses Raumes tun.

    Neben den malerischen und kompositorischen Qualitäten spricht aus diesen Fresken Toleranz, die Fähigkeit, Verschiedenheit nebeneinander stehen zu lassen und doch ein Gesamtbild zu formen, Heiterkeit und Freude an der Schönheit des Lebens. 

    Raffael wurde ja auf eigenen Wunsch im Pantheon bestattet. Wann immer ich in Rom bin, bekommen zwei Malergräber eine Rose: Fra Angelico in Santa Maria sopra Minerva und eben Raffael im Pantheon. Wie groß sein schlichter antiker Sarkophag wirkt neben den aufgeblasenen Gräbern der italienischen Könige.

    Wermutstropfen Nr. 1: In Rom ist die umfassendste Raffaelausstellung aller Zeiten in den Räumen der Scuderie del Quirinale nach einer Woche geschlossen worden. Da wollte ich in 14 Tagen sein.

    Relativierung des Wermutstropfens: Ich blättere im sonnigen Garten durch Bildbände und mache mir keinerlei Sorgen über mein Gehalt und die Miete - zumindest für die kommenden Monate. Da gibt es im Moment schlimmere Lebenslagen. Was später kommt, weiß keiner. 

    Wermutstropfen Nr. 2: Mit Erschrecken ging mir gestern die verdrängte Tatsache auf, daß ich in Rom lebte, als vor 37 Jahren der 500. Geburtstag Raffaels gefeiert wurde. Wenn ich meine Bilanz mit seinem Werk vergleiche, fällt das vernichtend für mein Leben aus. „Einwand: Aber du musst dich doch nicht mit Raffael vergleichen“. Nö. Muss ich nicht. Doch wenn ich es tue, fällt das Ergebnis für mein Leben eben vernichtend aus. 

  • 5. April 2020, Palmsonntag

    Zentraler Text des Palmsonntags ist der umjubelte Einzug Jesu in Jerusalem. Alle vier Evangelien berichten die Ereignisse, im wesentlichen übereinstimmend, doch mit unterschiedlichen Details und Akzenten (Mt. 21,1-9; Mk. 11,1-10; Lk 19,29-38; Joh. 12,12-19). Das ist bedeutsam: Einer meiner neutestamentlichen Lehrer pflegte die Differenzen der Evangelien häufiger mit den verschiedenen Zeugenaussagen anlässlich eines Verkehrsunfalls zu vergleichen. Wenn sie völlig identisch sind, liegt wahrscheinlich ein Versicherungsbetrug vor - die Zeugen haben sich abgesprochen. So sind gerade die Differenzen der Evangelien ein Argument für die Historizität der Ereignisse.

    Jesus zieht auf einem Esel in Jerusalem ein, die Pilger umjubeln ihn und breiten Kleider und Zweige („Palmzweige“) auf der Strasse aus. Hinter diesem einfachen Geschehen verbirgt sich ein geheimnisvolles Geflecht von Beziehungen und Bedeutungen: Da ist zunächst die Sache mit dem Esel: Jesus nimmt das Herrscherrecht der Requirierung von Transportmitteln in Anspruch. Die Jünger sollen die vorübergehende Beschlagnahme mit dem Satz begründen: „Der HERR braucht es (sc. das Tier)“. „HERR“ ist Kaiser- und Gottesanrede. In den Segensworten des sterbenden Jakob (1. Mose 49,11) heißt es über den zukünftigen Herrn der Welt, er werde seinen Esel und das Füllen der Eselin an einen (Wein-) Stock binden. Das angebundene Tier. Und schließlich die berühmte Stelle beim Propheten Sacharja (9,9), die Mt. und Joh. zitieren: „Saget der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig und reitet auf einem Esel und auf einem Füllen der lastbaren Eselin“. Auch das Ausbreiten von Zweigen und Kleidern auf dem Boden gehört zum kaiserlichen Protokoll. 

    Jesus zieht also nicht ein, unfreiwillig hochgejubelt von der Menge, sondern im vollen Bewusstsein, dass er es ist, auf den Israel und die Welt warten. Selbst die kleine Bemerkung bei Lk. (19,35), dass Jesus nicht selbst auf den Esel aufsitzt, sondern von den Jüngern auf den Esel gehoben wird, ist kein Versehen. Mit derselben Vokabel kam König Salomo, der Sohn Davids, auf sein Reittier, das ihn zu Salbung und Krönung trug. 

    Die jubelnde Menge ist nach den Texten übrigens nicht dieselbe, die einige Tage später verlangen wird „Kreuzige ihn!“. Hier sind es die Pilger, die mit Jesus zum Passah in Jerusalem einziehen, später wird es der Pöbel von Jerusalem sein, der nach Blut schreit.

    Die Menge ruft: „Hosianna dem Sohn Davids! GELOBT SEI DER DA KOMMT IM NAMEN DES HERRN! HOSIANNA IN DER HÖHE!“

    „Hosianna“ ist zur Zeit Jesu ein jubelnder Akklamationsruf - ungefähr so, als wenn die Römer unserer Zeit den Papst mit „bravo, bravo“ begrüssen.

    Der folgende Ruf hat eine interessante Wirkungsgeschichte. Es ist das „Bendictus“ aus der Abendmahlsliturgie, der zweite Teil des Sanctus kurz vor den Einsetzungsworten. Die Gemeinde singt diese Akklamation, um dem Gottessohn in der Gemeinschaft des Abendmahls zu huldigen.

    Immer wieder kommt er uns entgegen, zieht ein in das Jerusalem unserer Herzen … .

    Soweit Anmerkungen zur Historie. Die Erzählung hat jedoch eine weitere, mystische Ebene: In den ersten drei Evangelien ist Jesus auf dem Weg vom See Genezareth nach Jerusalem „hinauf“. In der Tat liegt die Stadt des Tempels ungefähr 900 m über dem See. Drei Prophezeiungen Jesu, die „Leidensankündigungen“ gliedern den Weg und präzisieren immer klarer das spätere Geschehen. Auf seinem WEG begegnet Jesus unterschiedlichen Menschen, lehrt, heilt und spricht mit den Jüngern. Der Weg wird enden in Katastrophe und Triumph. Wir sind gefragt, ob wir mitziehen wollen.

    Die letzte Handlung Jesu vor dem Einzug in Jerusalem ist die Heilung eines Blinden, welche die ersten drei Evangelien wiederum mit kleinen Unterschieden berichten. Mk. schließt seinen Text - direkt vor dem Einzug mit dem Satz (Mk. 10,52): „Und alsbald konnte er wieder sehen und folgte ihm nach auf dem WEGE“. Sehend werden, die Augen öffnen, sich orientieren, aufbrechen … . Das steht an.

    „Lasset uns mit Jesus ziehen …“ heißt es im Kirchenlied (EG 384). Unser Jerusalem wartet auf uns,  Ort der Qual und der Vollendung, lasst uns Passah  (Übergang) feiern, trockenen Fusses Meere durchqueren. Dieser Aufbruch ist immer ein Aufbruch nach innen. Diese Tage geben uns nun die Möglichkeit. Auf welchem WEG bin ich? Wem folge ich? Mit wem will ich wandern?

    Die vier Strophen des Liedes 384 beginnen:            

     

    Lasset uns mit Jesus ziehen …

    Lasset uns mit Jesus leiden …

    Lasset uns mit Jesus sterben …

    Lasset uns mit Jesus leben … .

     

    Palmarum 1942 (Die Vorgeschichte kennen wir alle): Menschen sterben, große Teile unserer Stadt sinken in Schutt und Asche, Marien, Dom und Petri werden zerstört. Palmarum 2020: Die Kirchen sind geschlossen. Doch die Glocken werden wieder läuten. Zartbitter ist das Menschenleben - wie eine gute Schokolade!

  • Heute um 18.00 Uhr beginnt die Heilige Woche. Ich werde versuchen, hier täglich einen Text zum jeweiligen Festtag zu veröffentlichen. Keine klassischen Predigten, eher Anmerkungen und Verstehenshilfen zu den zentralen Texten der Tage. 

    Es kann vielleicht hilfreich sein, sich eine Bibel bereit zu legen, um die besprochenen Texte nachzuschlagen.

    Die Woche beginnt mit Palmsonntag, dem Tag des Einzugs Jesu in Jerusalem:

     

  • Irgendwie verpasse ich das beste: Während ich heute Nacht schlief, müssen auf den Bänken am Kanal zwischen Krähenteich und Mühlenbrücke rauschende Parties gestiegen sein. Es gab Kartoffelchips und ähnlichen Knabberkram, Wodka, Apfelkorn (ich wusste gar nicht, dass es den noch gibt) und Rotkäppchen-Sekt. Nun, man kommt in die Jahre. 

    Auf dem Katzenberg dann großer Krähenradau. Ich traute meinen Augen nicht: In einer der uralten Buchen, dort wo sich der Stadtgraben zu einer kleinen Bucht verbreitert, saß ein sichtlich genervter Uhu. Nachdem er ein, zwei Minuten das Gepöbel und die Attacken der Krähen hatte über sich ergehen lassen, flog er in Richtung Elbe-Lübeck-Kanal davon, verfolgt von der kreischenden Meute. 

    Heute kein Corona: Heute Stoff aus meinem Giftschrank:

    Gelegentlich muss ich mir Festreden anhören; manche sind toll: geistreich und kurz. Es gibt aber auch die Reden voller ungelebter Plattitüden und bar jeder gedanklicher Durchdringung der Sachverhalte.

    Wenn ich dann nach Hause komme, greife ich zu einem verschlissenen Reclamheftchen und geben mir meine Dosis Chamfort. Nicolas Chamfort war ein Schriftsteller des 18. Jahrhunderts. Berühmt geworden ist er durch seine Aphorismen „Früchte der vollendeten Zivilisation“.

    Hier einige Kostproben:

     

    Das ist die beste Philosophie für die Welt: den heiteren Sarkasmus mit nachsichtiger Verachtung zu vereinen.

     

    Man muß die Dummheiten zu begehen wissen, die unser Charakter von uns verlangt.

     

    Die falsche Bescheidenheit ist die dezenteste aller Lügen.

     

    „Der Adel“ - so sagen die Aristokraten, „vermittelt zwischen dem König und dem Volk.“ … Ja, wie der Jagdhund vermittelt zwischen dem Jäger und dem Hasen.

     

    Immer wieder verkaufen die großen Herren ihre Gesellschaft an die Eitelkeit der Kleinen.

     

  • Heute waren die Menschen auf dem Wochenmarkt anders gestimmt als in den vergangenen zwei Wochen: die Botschaft ist angekommen - Ostern als gefeiertes Fest fällt aus. Wir werden in unseren Wohnungen unter uns bleiben. Schon jetzt weiss ich, dass ich den Tisch dann eben für zwei festlichst decken werde. Gerade in schwierigen Zeiten neige ich dazu, die Tafel sehr akkurat einzudecken. Da kommt dann schon einmal der Zollstock zum Einsatz, um Teller und Besteck in  Reih und Glied zu bringen. Wenn die Welt durchdreht, will ich wenigstens auf dem Tisch Ordnung. Das Menü wird umgeplant. Ich hatte einen Rehrücken aus dem Frost vorgesehen, der für zwei Personen natürlich nicht aufgetaut wird. 

    Der Tag hatte seltsam begonnen: Ich habe ein Duschgel geöffnet, das ich zu Weihnachten geschenkt bekommen hatte - keine Sorge: ich habe in den letzten drei Monaten durchaus  gelegentlich geduscht. Das Waschgel gehört zu einer Marke, die vor 34(!) Jahren bei einem Freund kennengelernt hatte und der ich treu geblieben bin. In der Parfümerie: Darf ich Ihnen noch eine Probe des neuen Dufts von XY mitgeben?“ Nö danke, das ist nett gemeint, aber ich bin versorgt“.  Plötzlich war das ganze unbeschwerte Studentenleben in Bonn und Köln wieder da. Abende am Rheinufer, Picknick im Bonner Hofgarten (die große Wiese vor der Uni), das Siebengebirge und Fahrradtouren an die Ahr und zur Abtei von Maria Laach in der Eifel. Plötzlich, heute um halb sieben war alles präsent. Es war wie am Anfang von Marcel Prousts Roman „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“: Die vielen tausend Seiten beginnen mit einer Erinnerung, die durch den Duft von Madeleines geweckt wird, die in eine bestimmte Sorte Tee (war es Lindenblüten?) getaucht werden.

    Mit den Ostertexten tue ich mich schwer: Predigten sind eben gesprochene Sprache vor einer Gemeinde. Rede ist Rede und nicht Schreibe. Ich denke, ich werde einfach erklären, was die Haupttexte der Tage ab Palmarum bedeuten. Am Sonntag geht es los mit Jesu Einzug in Jerusalem.

    Und es gibt noch ein schwieriges Thema: Vor einigen Tagen ist unser Hund auf halber Höhe der Treppe ausgerutscht und herunter gefallen. Der Befund: eine schwere Zerrung im linken Hinterlauf oder ein Kreuzbandriss. Mit einer Spritze und Schmerztabletten warten wir noch bis nach Ostern ab. Dann steht wahrscheinlich eine OP an. Der Hund wiegt 43 kg, er braucht vier intakte Läufe. Haste Kinder, haste Sorgen! (Aber auch Freuden).

  • So. Nun ist es offiziell: die Kontaktbeschränkungen gelten bis zum Ende der Osterferien. Ich habe es ja im Gehirn gewusst, doch im Rückenmark war es noch nicht angekommen: Ostern ohne Ostermenü für sechs Gäste, ohne Geselligkeit. Ohne Gottesdienste hatte ich schon realisiert. 

    Das ist doch eigentlich der Traum einer jeden fundamentalistischen Spaßbremse: Kein Frühlingsmarkt, kein heidnisches Eiersuchen samt Schokohasen und kein furchtbarer Osterbrunch, der einem den ganzen Tag versaut. Einfach nur Auferstehung! Nur der reine Glaube. 

    Wie schrecklich! 

    Man nenne mir eine einzige kultische Begehung aus den Religionen der Welt, - abgesehen von den Trauerfeiern anlässlich der Niederlage oder des Todes eines Gottes - die ohne ausgelassenes Fest samt Essen und Trinken gefeiert würde. Und: Keines dieser Feste ist „sauber“: sie schleppen allesamt ältere Überlieferungen mit sich. Weihnachten die Wintersonnenwende, Ostern das Erwachen der Vegetation. Schließlich feiern wir selbst jedes große Jahresfest mit dem Ballast - Schiffe brauchen Ballast fürs Gleichgewicht - unserer Erinnerungen. Es werden also nicht nur liturgisch seltsame Osterfeierlichkeiten. Ich hatte vor, zwei Personen zu einem Osteressen einzuladen. Aber - nein, das geht nicht. Die Vorschriften sind, wie sie sind, und ich will mich auch danach richten. 

    „Essen“ ist ein Thema: Heute habe ich zum zweiten Mal Eierpasta gemacht; nun - im Theater gibt es die berüchtigte „zweite Vorstellung“ nach der geglückten Premiere. Die Eier zu groß, der Koch zu selbstbewusst, der Teig zu klebrig: es ist eben der Anfang einer längeren Geschichte. Heute habe ich kein Foto für Euch… 

Pastor und Hund mit Ei vom Ostersonntag
Die Osterkerze am Ostersonntag
Der Hund zum 2. April

März

  • Korrektur: Das Buch von Marcella Hazan besitze ich nicht seit 10, sondern seit 18 Jahren. Heute vormittag eine Urnenbeisetzung - kann es sein, dass man innerhalb von zehn Tagen verlernt, was ein Auswärtstermin ist? Jedenfalls hatte ich mir vorsorglich eine Karteikarte mit der Aufschrift „Beisetzung X-Friedhof X-Uhr“ so an die Haustür geklebt, dass ich den Termin schon zu Beginn der Hunderunde vor Augen hatte.

    Auf eben dieser Morgenrunde ist mir etwas aufgefallen: Es gibt Autos mit offenbar bewusst ausgesuchten Zahlen auf den Nummernschildern, etwa 6666 oder 3333 oder 01 - nur 00 habe ich noch nie gesehen - und in diesen Autos, oft auffälligen Gefährten, hat noch nie eine Frau hinter dem Steuer gesessen, ausschließlich Männer, und diese oft stylish geföhnt und irgendwie  vom Typ „tiefergelegt“. So in Richtung Segeberger Kennzeichen und „xy“ als Buchstabenkombination.

    Und - heute ganz früh auf dem Wochenmarkt: „Der Spargel wird teuer!“ Tja, so schnell kann das Abendland untergehen … . 

    Zu Hause bleiben - ich meine nicht die Situation von Familien oder Alleinerziehenden mit kleinen Kindern auf beengtem Raum und auch nicht die Lage jener, die um ihre Existenz bangen, sondern die, die halt zu Hause grundversorgt festsitzen.

    Wir sind es gewohnt, uns über unsere Tätigkeiten zu definieren. Relativ früh kommt im Gespräch mit Unbekannten die Frage „Und was machen Sie beruflich?“ ARBEIT ist das wichtige, FREIZEIT ist arbeitsfreie Zeit. In den Antike war das umgekehrt: „scholä“ ist auf Griechisch „Muße“, Arbeit ist „Nicht - Muße (ascholia); genauso bei den Römern: „otium“ ist Muße, „neg - otium“, (Nicht - Muße) ist die Arbeit. Überhaupt galt Arbeit als nicht gesellschaftsfähig. Das habe ich nicht erfunden, es war eben so. Wer arbeiten musste, war draussen. 

    Die verwöhnten Grossen Griechenlands und Roms pflegten ihr „otium cum dignitate“, ihre „Muße mit Würde“ auf ihren Landsitzen. Sie waren nicht faul. Sie studierten, lasen, schrieben, badeten, pflegten ihre Freundschaften. 

    Mit dem Sieg des Christentums wird das anders. Nichtstun wird verdächtig. Und gesteigert wird dieses Verständnis von Identität durch Arbeit im Protestantismus: Arbeitsethik: Gott segnet deine Arbeit. Müßiggang ist aller Laster Anfang. Schaffe, schaffe, Häusle baue. Und in den vergangenen Jahren hat sich diese Tendenz noch beschleunigt: „Freizeit“ ist zu zweiten Feld der Selbstoptimierung geworden. Daher die freizeitgestählten Körper der beruflichen Stubenhocker.

    Wir geraten - diese Dispositionen sind nicht weg, wenn man aus der Kirche austritt - in unerlernte Lagen, wenn wir einmal zum Nichtstun gezwungen sind.

    Müßiggang ist der Anfang - von mancher prima Idee!

  • Heute morgen traute ich meinen Augen nicht, als ich aus dem Fenster schaute: Schnee! Und in Schneetreiben drehte ich mit Moose (dem Hund) meine Runde. Vor dem Holstentor stand ein Schneemann!

    So: Am 20. März hatte ich mich entschlossen, in diesen Tagen zu lernen, wie man Eierpasta nach Art der Emilia Romagna mit dem Nudelholz herstellt. Seit zehn Jahren begleitet mich das Kochbuch von Marcella Hazan „Die klassische italienische Küche“, seitdem umschleiche ich ihre Anweisungen zur Herstellung besagter Pasta. Vor fünf Jahren kaufte ich mir in Sorrent am Golf von Neapel ein „mattarello“, ein italienisches Nudelholz. Ich erinnere mich noch an den Blick er Verkäuferin im Haushaltsartikelladen, als ich nach solch einem Teil fragte. Sie kramte das gewünschte Stück aus einem Hinterzimmer hervor. Dann - undenkbar heute - klopfte sie mir auf die Schulter und meinte: „Verrückte Welt! Unsere jungen Frauen kaufen die Pasta im Supermarkt oder holen sie beim Bäcker. Und ihr deutschen Männer wollt sie selber machen“.

    Bis gestern hatte ich keine Zeit für Pasta. Ich habe die Anleitung täglich mehrmals gelesen. Aber entweder hatte ich keine passenden Saucenzutaten oder etwas anderes besorgt, das verarbeitet werden musste, oder die Teppiche im Wohnzimmer wollten gesaugt sein, im Garten wartet Arbeit - und es ist in diesen Tagen verantwortungslos, Eier und Mehl zu Versuchszwecken zu verschwenden… . Gestern nun hatte die Fahnenflucht ein Ende. Ehrlich gesagt, hatte ich mir gedacht, das wird eh nix und dann habe ich zumindest eine lustige Begebenheit für dieses Tagebuch.

    Die Sache ist nämlich die: Marcella braucht sieben (!) Seiten, um den Vorgang zu beschreiben. Ich habe das Kapitel vor zwei Jahren einmal in einer Veranstaltung gelesen. Die Szene entwickelte sich wie die legendäre Fernsehansage von Loriot mit Evelyn Hamann „Die zwei Cousinen“.

    Nun, es hat geklappt: Nach 20 Minuten Arbeit (eine Stunde muss der Teig ruhen) hatte ich hausgemachte Eierpasta vor mir. Ulli Gebauer fiel der Kinnladen runter, als er in die Küche kam.

    Die Fettucine waren noch einen Tick zu dick, geschmacklich dann aber genial. Heute habe ich übrigens leichten Muskelkater in den Armen. 

    Die Arbeit an den Texten für Ostern habe ich begonnen; ich muss gestehen, dass es schon immer mein Wunsch war, die Osterfeierlichkeiten von Palmarum bis Ostermontag „durchzupredigen“. Nun ist die Gelegenheit da. Aber Kirche, Gesang, Gemeinde, das Abendmahl werden mir fehlen.

  • Nachtrag: Als ich den Papstsegen nochmal im Internet sah, fiel mir die Ikone auf, vor der er  in St. Peter betete: Es ist tatsächlich die berühmte byzantinische Ikone aus Santa Maria Maggiore namens „salus populi romani“ - „das Heil des römischen Volkes“. Was das Palladium für Troja war - erst nachdem die Griechen es geraubt hatten, konnten sie die Stadt erobern - ist diese Ikone für Rom. Wenn sie in den Vatikan gebracht wird, ist es ernst.

    Diskussionen, wann man denn die Kontaktbeschränkungen wieder aufheben könne, haben begonnen: da fällt mir ein: Augustinus hat im höheren Alter eine kleine Schrift verfasst „de dono perserverantiae“ -„über die Gabe der Beständigkeit / des Durchhaltens“: Sich bekehren, neu aufzubrechen, Dinge beginnen - das ist das eine und kann als Geschenk, als Gnade verstanden werden; aber „Durchhalten“ ist dann eine andere Hausnummer. Diese mühsame Üben, Üben, Üben - auf Altgriechisch heißt Üben übrigens „Askesis“ - oder Trainieren, am Ball bleiben. Fähigkeiten durch Wiederholen erlernen, bis sie im Rückenmark angekommen sind und völlig absichtslos und leicht von der Hand gehen. Die japanischen Künste verstehen viel davon, ich fürchte mehr als europäische Bildungstheoretiker. Und wenn, sehe ich diese Praktiken eher noch in alten Handwerken gegenwärtig als auf unseren Gymnasien und Universitäten. 

    Der Gigant unter den Texten des heutigen Sonntags „Judica“ ( Schaffe mir Recht, Gott (aus Psalm 43)) ist die alttestamentliche Lesung, 1. Mose 22, die Opferung Isaaks: Gott stellt Abraham auf die Probe; er befiehlt ihm, seinen Sohn zu opfern. 

    Man kann sich vor diesem Text retten, indem man sagt, er gehe ja gut aus. Isaak lebt, weil Gott einen Widder als Ersatz schickt. Schwacher Trost. Ein Gott, der einem Vater befiehlt, als Probe seines Glaubens den eigenen Sohn zu schlachten - denn darum geht es: die Kehle durchschneiden und dann verbrennen - ist für mich kein mögliches Thema der Verkündigung. Ähnlich übrigens der Beginn des Buches Hiob: Satan flüstert Gott zu, Hiob sei nur fromm, weil er gesund und reich an Vieh und Kindern sei. Gott sagt dann: „mach mal!“ - der Mensch als Laborratte Gottes.

    Hinter dem Text steht wohl auch die Ablehnung der Kinderopfer durch den Verfasser des Textes. Im alten Israel wurden gelegentlich Kinder geopfert. 2. Buch der Könige 16, 3: König Ahas von Juda „ließ seinen Sohn durch das Feuer gehen“. Damit hätte man zumindest einen humanen Aspekt des furchtbaren Textes zu fassen: Warum verlangte auch Jahwe einst die Opferung der männlichen Erstgeburt, nun aber nicht mehr? 

    Ein zweites: „Isaak“ ist nicht einfach nur Kind und Sohn, er ist spät geborener Träger der Verheissung Gottes für Abraham - „Ich will Dich zu einem großen Volk machen und Du sollst ein Segen sein …“. Dann stünde hinter unserem Text die Botschaft: „Gib auf, worauf du meinst, deine Zukunft gründen zu können - vertraue mir, meine Gedanken sind nicht deine, meine Wege nicht die deinen."

    Aktuell: Rituelle Kinderopfer im Reich der Religionen sind eher selten geworden. Doch es gibt sie in anderen Zusammenhängen:

    Eltern, die ihre Kinder den eigenen nicht erfüllten Träumen opfern. In den USA diese „Little Miss sowieso“ - Wettbewerbe. Aber auch bei uns. Da wird nicht nur ermuntert, erzogen und ermöglicht, sondern manchmal auch gnadenlos gedrillt. „Mein Kind soll es einmal besser haben als ich“. Sport und Künste werden so pervertiert zu sekundären Selbstbefriedigungen frustrierter, ehrgeiziger Erwachsener, die ihre eigenen Züge längst abgefahren wissen. Das ist dann nicht weiser als der Unsinn mancher Rassehundeschau: „Meinem Tier macht das Spaß!“ Auch diese Kinder gucken oft so traurig … .

    Ankündigung:

    An den Feiertagen der Heiligen Woche werde ich an dieser Stelle Überlegungen, Meditationen und Predigten veröffentlichen: Palmsonntag, Gründonnerstag, Karfreitag um 10.00 Uhr und zur Sterbestunde um 15.00 Uhr, Osternacht, Ostersonntag und Ostermontag - Der Herr gebe mir das Geschenk des Durchhaltens!

     

  • Gestern ein Versehen: Es geht um Niederegger. Ich hatte durch einen Anruf den Faden verloren. Also: In den vergangenen Tagen habe ich freien Stunden Shakespeares „Richard III“ gelesen. Seit Jahren liegt das kleine zweisprachige Reclamheft als Vorwurf im Bücherregal. Der Text hat mich zwischenzeitlich erschüttert. Dieser Eigennutz, diese Niedertracht, diese Intrigen, Lügen und Morde eines Mächtigen und seiner Kumpane: Gottseidank ist das alles 500 Jahre her … . 

    Nun, dann griff ich gestern zum „Othello“ - und jetzt kommt Niederegger ins Spiel: Es gab dort eine fette  - Frau Deecke hätte gesagt „wehrsame“ - Buttercremetorte, die hieß „Mohrenkopftorte“ - die gibt es nicht mehr. Das Teil ist umgetauft zur „Othellotorte“. „Othello, a noble moor in the service of the Venetian State“ heißt es in dramatis personae  meiner Ausgabe. Schon schräge.

    Heute vormittag wieder absurdes Schlangenballet auf dem Brink - ich war um 8.00 Uhr da, hatte aber offenbar nicht als einziger diesen klugen Einfall. Innerhalb der Reihen wurden vorbildlich die Abstände eingehalten - das ist auch klasse, zu sehen, wie das funktioniert. Leider wurde die Lage durch die Nähe der verschiedenen Schlangen zueinander ein wenig konterkariert.

    Man sieht mehr Atemschutzmasken als noch vor einer Woche.

    Unsere Kirche wird nun geschlossen. Unser Küster ist krank und wir können für jene zwei bis drei Besucher pro Tag - ich wohne gegenüber und habe von meinem Sekretär den Eingang im Blick - die Kirche nicht beaufsichtigt - ok: die Kirche stellt nichts an - „bewacht“ offen halten können. Gemeinschaft der Innenstadtkirchen: Dom, Marien und Jakobi sind offen zu Andacht und stillem Gebet. Wie schön, dass wir nur wenige Minuten auseinander liegen.

    Ich habe mir vorgenommen, auch in der geschlossenen Kirche ab Palmsonntag den Altar liturgisch zu richten. Auch wenn keiner guckt. Violett, weiß, schwarz, weiß. Zwei Leuchter, keine Leuchter, sechs Leuchter. Riten dürfen  - wenn möglich - nicht unterbrochen werden.

    Berührt hat mich der Segen „urbi et orbi“ des Papstes auf dem leeren, verregneten Petersplatz. Ich kenne die strukturellen Schwierigkeiten der katholischen Schwester - deshalb bin ich ja evangelisch, doch mir hat der Segen dieses traurig - freundlichen alten Mannes gut getan. Als er den Segen sprach und das Kreuz schlug, habe ich mich vor dem Fernseher auch bekreuzigt. War angekommen!

    So: Morgen, Sonntag Judica; da gibt es hier ein wenig Theologie!

     

  • Wieder ein strahlender Tag. Irgendwie ist dieser Himmel ein Affront für alle, die sich sorgen um die Gesundheit und das finanzielle Überleben. 

    Heute Nachmittag war die Hunderunde geradezu gespenstisch: Am Kanal habe ich an kaum einem sonnigen Ostersonntagsnachmittag so viele Menschen gesehen wie heute: Junge Familien, Jogger, Mütter mit Kinderwagen, Rentner und Alkis auf den Bänken - keine großen Partygruppen, aber ich war irritiert. Es kann doch nicht gemeint sein, dass es jetzt voller ist als sonst. Ich war ja schon froh, wenn ich die JoggerInnen hinter mir an ihren Tritten bemerkte und nicht an ihrem rasselnden Atem. 

    Vorhin war ich nochmal in der Stadt, um bei Niederegger Ostereier versenden zu lassen. Das Gegenteil vom Kanal - ich war der einzige Kunde. 

    Was gut funktioniert in unserem Viertel ist die Nachbarschaftshilfe. Wir sind hier relativ wenig angewiesen auf digitale Hilfsplattformen - man kennt seine Nachbarn und Nachbarinnen. Das mag aber von Stadt zu Stadt und Stadtteil zu Stadtteil unterschiedlich sein. Ich finde ja wenige soziale Phänomene peinlicher als gut gemeinte Angebote - in der Politik haben wir das gelegentlich: da werden große Geldsummen bereit gestellt, aber einfach nicht abgerufen, warum auch immer. „Vielen Dank, junger Mann“ sagt die alte Dame „aber eigentlich wollte ich gar nicht über die Straße“.

    Der Jesuit Oswald von Nell-Breuning, Theologe und Nationalökonom, hat das Prinzip der „Subsidiarität“ entwickelt und entfaltet, kurz: was man auf einer niederen Ebene regeln kann, muss nicht von einer höheren Ebene geregelt werden.

    Spaß zum Schluss: Heute vormittag die erste Videokonferenz meines Lebens; eine banale Lehre: Es ist gaaaanz wichtig, was man im Hintergrund seines Arbeitszimmers / Büros / Wohnzimmers zeigt. Bücher gehen immer, klar, aber welche Bilder?

     

  • Es hageln die Hochzeitsabsagen nur so herein. Für uns als Kirchengemeinde sind das eben zu streichende Termine, für die Paare herausfordernde und enttäuschende Entscheidungen. Und mir als Pastor tun die Paare richtig leid. Was ich auch bedauere, ist, dass wir uns nicht abends mal zusammen setzen können, um zu reden. Kontaktsperre eben. 

    Mir fehlen die Sonntagsgottesdienste, mir fehlt die Vorbereitung auf die Osterfeierlichkeiten, die Osterfeierlichkeiten selbst fehlen mir schon, mir fehlten vorgestern die Konfirmanden und die Konfirmation, die für den 10. Mai geplant war und nun auf den 30. August verschoben ist, fehlt mir auch.

    Pastorenleid, Pastorenfreud: Die meisten Rückmeldungen auf die bisher geschriebenen Texte gab es auf - das Tomatensaucenrezept! 

    Auf dem Hundespaziergang: „Das ist mir zu buttrig, ich koche ja eher mit Olivenöl“. Nun - Marcella Hazan kommt aus der Emilia Romagna, Metropole Bologna: „Bologna, la dotta, la rossa, la grassa“ - Bologna, die gelehrte (Universität), die rote (Politik), die fette (Küche).

    Wenn gewünscht, liefere ich in diesen Tagen, in denen viele von uns ein wenig mehr Zeit haben, das einzig wahre Rezept für ragù alla bolognese. (Als liberaler Theologe kann man bei Marcella lernen, was „wahre Lehre“ ist: So geht das. Und nicht anders).

    Auf dem Brink: „Wir haben Marcellas Tomatensauce gekocht, waren etwas skeptisch wegen der Buttermenge, aber Herr Baltrock, wie köstlich ist das denn. Wie entsteht dieser Geschmack?“

    Marcella eben.

     

    Ärger in der Hüxstrasse; die Presse hatte berichtet, dass alle Geschäfte in dieser „beliebten und sonst belebten Einkaufsstrasse geschlossen hätten. Unsinn! Vier Lebensmittelläden - Fisch, Nobelfutter, eine Bäckerei und Portugal - sind offen und keiner kommt. 

     

    Noch einmal Nervennahrung - ohne Butter?

    Pro Person - als Vorspeise oder kleine Leckerei - eine grosse Biozitrone halbieren, auspressen, die  Enden abschneiden und die so entstandenen Halbkugeln in Muffinförmchen aus Papier setzen. Backofen auf 200 Grad Ober/Unterhitze vorheizen. In jede halbe Zitrone nun 1 Stück Büffelmozzarella, eine halbe Kirschtomate, 1 halbes Sardellenfilet, ein Blatt Basilikum, eine  - tatsächlich - eine Kaper und nochmal ein Stück Büffelmozarella. Für 15 Minuten in den Ofen. Mit warmem Weissbrot servieren. Das Zitronenaroma hat den Käse durchzogen, etwas Flüssigkeit ist ausgetreten. Stippen. 

    Den Zitronensaft fülle ich in Eiswürfelformen und friere ihn ein. Wenn gefroren, kommt er in Beutel. Die Würfel kann man immer brauchen.

     

    Nein! Heute keine Coronakommentare; ich denke, wir werden dafür Zeit genug haben.

     

  • An diesem weiteren strahlend schönen Tag nochmal ein Text vom Sonntag: Zur Herrnhuter Losung aus Daniel war ausgesucht worden als neutestamentlicher Lehrtext ein Vers aus dem Kolosserbrief: „In Christus liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis“. 

    Es gibt einen Gott im Himmel voller Geheimnisse. Ok. Und dann kommen Platon, Aristoteles, Kant, Hegel und all die anderen großen Denker - die ich übrigens ansatzweise kenne und schätze.

    Doch dann weist uns dieser kleine Vers auf jenen seltsamen, unscheinbaren Mann aus Nazareth: In ihm ist alles, was wichtig ist, in seinen Worten und seinem Schicksal. Das lenkt mein Interesse von der spekulativen Philosophie zur Exegese: Jedem Wort, das da steht, nachspüren. Was bedeutet das? 

    Die Losung von heute ein Spielverderber der Postmoderne - die ja noch immer in einigen halbintellektuellen Kreisen zuckt: Der Prophet Jesaja spricht: „Wie kehrt ihr alles um! Als ob der Ton dem Töpfer gleich wäre, dass das Werk spräche über seinen Meister: Er hat mich nicht gemacht! Und ein Bildnis spräche von seinem Bildner: Er versteht nichts!“

    Anything goes? Nun, ich denke, es gibt das sozial definierte Geschlecht (gender), doch es gibt auch noch die unter Wirbeltieren meistverbreitete natürliche Polarität „Männlich - Weiblich“ (sex).

    PS.: Ich weiß, das manche Zackenbarsche ihr Geschlecht ändern.

    PPS.: Olympia 2020 ist also erstmal abgesagt. Was für ein Krampf. Was muss man eigentlich mitbringen, um IOC - Präsident zu werden? Verfallen dann auch alle Schmiergelder, Provisionen und kleinen Geschenke, die es nachgewiesen in der weltweiten Sportfunktionärselite natürlich nicht gibt, als Phantasie in meinem kleinen Kopf allerdings schon. 

    Mit tun die Athleten leid, die jahrelang auf eine Höchstform im Sommer 2020 hintrainiert haben. Es geht ja nicht nur um Sponsorenverträge, sondern um Träume.

  • Heute habe zum ersten Mal erlebt, dass es wegen der Krise Konflikte gab: Auf dem Klingenberg saßen und standen bei strahlend blauem Himmel 20 - 25 Suchtkranke beieinander. Meistens Männer, 2 oder 3 Frauen, niemand älter als - ich schätze 45 Jahre. Sie gerieten mit der Polizei aneinander. Manche wurden laut. Ermahnungen, dann wohl auch Anzeigen. 

    Nun, der Sachverhalt ist klar. Es wird gegen geltendes Recht verstoßen und Ordnungsamt und Polizei setzen die Geltung der neuen Verordnungen (?) („Gesetze“ sind es ja nicht - aber ich bin kein Jurist) unter Androhung von Sanktionen durch. So weit, so gut. Das ist richtig.

    Daneben gibt es jedoch noch eine andere Ebene: Wissen die Abhängigen überhaupt von der neuen Sachlage? Haben sie die Möglichkeit, den elaborierten Code von Tagesschau und Heute zu verstehen? Ich weiß - es ist wie im Steuerrecht: Unkenntnis schützt nicht vor Strafe. Und weiter: Mir machen die Einschränkungen der Bewegungen im öffentlichen Raum kein Problem: Ich habe eine Wohnung, ein Gärtchen, meine Bücher und halte Kontakt zu den meisten meiner Vertrauten ohnehin telefonisch und per Netz. Für die Gruppe auf dem Klingenberg ist der Platz ihr Wohnzimmer. 

    Vorhin kam mir zum ersten Mal der Einfall, abends nicht selbst zu kochen, sondern Essen aus Restaurants zu holen, um zumindest ein bisschen Geld ankommen zu lassen. Einige Jahre war ich selbst Freiberufler, ein Solo - Selbständiger und in einer der Krisen (2000?) brachen plötzlich alle Aufträge weg. Tageszeitungen versuchten ihre Angestellten zu halten, da stand ich als freier Schreiber ganz weit hinten. Es ist - verzeihen Sie die Vokabel - ein Scheißgefühl, nicht zu wissen, woher die Miete für den kommenden Monat kommen soll. Und dann war auch mal der Strom weg, abgeschaltet. Weiter: Wenn ein kleines Unternehmen, ein neu eröffnetes Geschäft unverschuldet scheitert, dann geht es ja nicht nur um Geld, sondern um Hoffnungen, Lebensentwürfe, Bilder von der eigenen Zukunft, es geht auch um - Sinn.

    Da rollt eine Woge auf uns zu, von der die meisten, fürchte ich, noch nichts ahnen.

    Zur Belustigung: Mein Passionspastaprojekt ist angelaufen. Zur Erinnerung: Ich will in diesen Tagen lernen, frische Eierpasta mit dem italienischen Nudelholz herzustellen. Eben - 16.45 Uhr - stand ich vor der sauberen Küchentheke, das Nudelholz war vorschriftsmässig geölt und bemehlt, Mehl abgewogen, Eier parat. Und mir klang Gandalfs Stimme aus dem „Herrn der Ringe“ im Ohr: „Der Krieg hat begonnen“. 

    Den Text von Marcella habe ich fast auswendig gelernt, bevor ich mit dem „Ballet der Hände auf dem Nudelholz“ beginne, wie die Meisterin es verlangt. Okay, ich bin fahnenflüchtig. Ich fange morgen an.

    Übrigens: Mehl ist rar. Ich hörte schon Verschwörungstheorien, italienische Pizzabäcker würden Mehl horten. Die Marktleiterin sagte mir, die Leute würden schlichtweg zu Hause backen, auch Hefe sei ausverkauft. Ich glaube weder das eine noch das andere. Vermutlich horten die Leute einfach. Nur weil sie Klopapier horten, schei … sie doch auch nicht mehr. 

  • Wie schön, dass die neuen Regeln der Länder offensichtlich eingehalten werden. Beim Discounter - Hundefutter, eine Melone, eine Ananas, Joghurt - ein patziger, sehr junger Kassierer, der eine Kundin vor mir anschnauzte, das nächste Mal solle sie sich „gefälligst“ einen Wagen nehmen, um Abstand zu halten. Sachlich richtig, den Stress kann ich verstehen, trotzdem ein blöder Ton. Und an der Frischetheke des zweiten Ladens für heute eine alte Frau, Typ „damenhaft“, die die Fußbodenmarkierungen schlicht nicht verstanden hatte, und, darauf hingewiesen, die Politik, den Laden, die anderen Kunden und die Frauen hinter der Theke beschimpfte.

    Heute nur kurz Corona: Ich lese täglich online die Zeitung „La Repubblica“ die für Italien ungefähr das ist, was die Süddeutsche Zeitung bei uns ist. Es ist so schrecklich. Heute Abend bete ich für die Menschen in Italien. Ich weiß, es gibt Gründe für die Heftigkeit der Krankheit dort: das marode Gesundheitswesen, Korruption, organisierte Kriminalität, Vetternwirtschaft und eine politische Klasse, die das Gemeinwesen als Selbstbedienungsladen nutzt. 

    Trotz allem ist Italien für mich etwas anderes als Dänemark oder Frankreich.

    Zum ersten Mal war ich dort mit 17 Jahren. Ich wollte Interrail fahren - sechs Wochen per Bahn quer durch Europa. Aus Sorge, der Junge könnte verloren gehen, spendierte mir meine Mutter eine Pauschalreise nach Italien: eine Woche Rom, eine Woche Sorrrent am Golf von Neapel. Mit dem Tjaereborg - Flieger ab Billund / Dänemark. Es war um mich geschehen, trotz grauenhafter Halbpension. Später, 1981/82, habe ich für knapp zwei Jahre in Rom erst studiert, dann immer weniger studiert und mehr geguckt und gelebt und schließlich nur noch geguckt und gelebt.

    Später, viel später Venedig, Padua, Ravenna, Bologna, Florenz, Siena, Cremona, immer wieder Rom und Neapel. Ich sehe die Schattenseiten, aber ich liebe dieses Land. Ich habe dort viele der glücklichsten Momente meines Lebens erlebt.

    Wissen Sie, was in diesen Tagen hilft? Marcellas einfachste Tomatensauce. Marcella Hazan ist Autorin eines der für mich wichtigsten Bücher: „Die klassische italienische Küche“. Vor einigen Jahren, es war vergriffen, wurden im Internet für ein Exemplar über 500 € geboten. Der Herr hat mich in Versuchung geführt und ich habe die Prüfung bestanden. (Inzwischen gibt es eine neue Ausgabe).

    Eine Dose beste Tomaten (800gr), 125 gr Butter, eine geschälte Zwiebel, Salz, Parmesan, 500 gr Spaghetti.

    Die Tomaten vom Stielansatz befreien, in Stücke schneiden, mit dem Saft aus der Dose, der Butter, Salz und der ganzen Zwiebel in ein Töpfchen geben, aufkochen und dann ca. 30 Minuten köcheln lassen. Mit den Spaghetti in einer vorgewärmten Schüssel vermengen, Parmesan dazu, fertig. 

    PS.: Basilikum, Pfeffer, Büffelmozarella, Sardellenfilets, Oregano sind allesamt lecker, es ist dann aber nicht diese Sauce.

    Aus dem Kopf fällt mir dieses Gedicht von C. F. Meyer ein:

     

    Der römische Brunnen

     

                                                   Aufsteigt der Strahl und fallend gießt

                                                   Er voll der Marmorschale Rund,

                                                   Die, sich verschleiernd, überfließt

                                                   In einer zweiten Schale Grund;

                                                   Die zweite gibt, sie ist zu reich,

                                                   Der dritten wallend ihre Flut,

                                                   Und jede nimmt und gibt zugleich

                                                   Und strömt und ruht.

  • Mit meinen Befürchtungen, zahlreiche Menschen würden sich gestern beim schönen Wetter nicht an die Regeln halten, sondern gruppenweise Strände und Parks stürmen, scheine ich mich geirrt zu haben. Gott sei Dank! Sollte Einsicht siegen?

    Gestern früh war ich gegen 8.00 Uhr auf dem Markt am Brink. Viele Menschen, lange Schlangen vor den Ständen mit den gebotenen Abständen von zwei Metern. Die Stimmung war ernst, das Verhalten diszipliniert. Ein bisschen skurril muss der Markt aus der Vogelperspektive ausgesehen haben. Die Schlangen waren nämlich so lang, dass sie sich kreuzten. Hier die Fischschlange mit einem Knick in den nächsten Gang, quer dazu die Fleischschlange und zu beiden wiederum parallel die Enden der Gemüseschlangen. Im Supermarkt um 9.00 Uhr kaum Betrieb, aber die Palette mit dem berühmten Papier war bis auf zwei Packungen geplündert. Die Rollen hatten es nicht einmal ins Regal geschafft.

    Fernsehfasten, oder präziser: Corona - Nachrichten - Fasten bis zu den Abendnachrichten. Statt dessen erst Gartenarbeit, nachmittags dann die Frage: Was tun? Es macht einen Unterschied, ob man sich einen Nachmittag kultivierter Muße gönnt - Nichtstun im Deckchair bei Tee und dem Kreuzworträtsel aus dem Magazin der Süddeutschen und ein, zwei Kapiteln aus Fontanes Roman „Stechlin“ - da passiert übrigens auch nichts -, oder ob man perspektivisch für eine längere Zeit zur stabilitas loci vergattert wird. Ins Kloster zu gehen ist etwas anderes als ins Kloster gesteckt zu werden.

    Was geschieht da gerade nur in Italien? Das Bild von den Militärfahrzeugen, die Särge aus Bergamo herausfahren, hat mich voll erwischt, erschüttert. 

    Nun, es ist Sonntag, „Lätare“ - „Freuet euch (mit Jerusalem)“: Klein Ostern. Die schöne Formulierung aus einem Gottesdienstbuch: „Die violette Farbe der Paramente (Altar- und Kanzelbehänge) kann zu rosa aufgehellt werden“. In normalen Zeiten ist „Lätare“ der einzige Sonntag der Passionszeit, an dem Blumen auf dem Altar stehen. Zu Frau Gnirkes Zeiten hatten wir immer große Sträusse mit rosa Tulpen. 

    Predigttechnisch wäre dieser Tag ein Paradiesgarten: Ein Lieblingstext nach dem anderen, auch die Losungen zünden heute bei mir.

    Zwei Verse faszinieren mich besonders: Der eine ist die Losung aus dem Buch Daniel: „Es gibt einen Gott im Himmel, der Geheimnisse offenbart“. Ein Geheimnis ist kein Rätsel. Rätsel kann man lösen, Geheimnisse werden angebetet, sie erschließen sich, indem man sie erfährt, eingeweiht wird, durchlebt und-leidet: Liebe, Gott, Kunst, Geburt, der Tod. Sie offenbaren sich nicht dem Verstand, sondern der Intuition.

    Dann der Vers aus dem Sonntagsevangelium (Johannesevangelium 12,24): „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht“.

    Jesus deutet hier sein Schicksal mit einem Vegetationsgleichnis. Für die Alten war das Wiedererwachen der Natur im Frühling ein unbegreifliches Wunder. Im Hintergrund des Spruchs stehen die alten sterbenden und auferstehenden Vegetationsgottheiten wie Osiris, Attis, Tammuz und Persephone.

    Wieviel muss sterben, damit neues Leben möglich ist? Was ist das Geheimnis neuen Lebens? Eindrücklich ist mir das Bild der Verwandlung der Raupe in den Schmetterling. Im Kokon wird eben nicht das Raupenbein zum Schmetterlingsbein, das alte Auge zum neuen Auge, sondern die gesamte Raupe verflüssigt sich und diese Flüssigkeit organisiert sich zur neuen Gestalt.

    Das ist ein schönes Bild für die Gelegenheit, die unsere neue Häuslichkeit uns bietet. Sich neu organisieren und in einigen Wochen verwandelt das Haus verlassen. Goethe war übrigens ein Meister solcher Metamorphosen, solcher Neuerfindungen der eigenen Person. 

  • „Bewährungsprobe“ war eines der ersten Worte, die ich heute morgen aus dem Radio im Badezimmer hörte. Das kommende schöne Wetter würde das Wochenende zur Bewährungsprobe  der Fähigkeit unserer Gesellschaft machen, die Corona - Krise mit „Vernunft und Disziplin“ - ohne weiteren behördlichen Druck zu bestehen. Seltsam, was ein paar Sonnenstrahlen bewirken könnten... .

    Nun: wenn ich bedenke, was ich gestern und heute hier in Lübeck auf den Hunderunden, im Supermarkt und auf zwei Botengängen erlebt habe, dann stehen die Chancen, die besagte Probe zu bestehen, nicht besonders gut. 

    Es gibt zahlreiche Beispiele an Hilfsbereitschaft und Besonnenheit, aber eben auch die oft auffälligeren Beispiele sagenhafter Dummheit. Partystimmung am Krähenteich, das große Mütter - und - Kinder - Meeting auf den Bänken vor den verriegelten Toren des Kinderspielplatzes an der Seefahrtsschule. Wieso haben die Friseure eigentlich noch geöffnet?

    Zwei Sätze antiker Autoren fallen mir zur Lage ein: Der eine stammt vom frühgriechischen Philosophen Heraklit, der seine Mitbürger in Ephesus anfauchte: „Möge euch nie der Reichtum ausgehen, Ephesier, damit nicht offenbar wird, wie verkommen ihr seid“. Der allgemeine Wohlstand als Lack über hedonistischer Leere. Etwas selbstgerecht fiel mir früher zu dieser Formulierung immer nur die Welt von Versailles vor der Revolution ein. Eine glänzende Politur aus Künsten, Mode, Etikette, der höchsten Verfeinerung des Lebensstils - und darunter verfault die moralische Basis.

    Die andere Formulierung stammt von einem römischen Geschichtsschreiber, Tacitus; er führt den Verfall der republikanischen Werte zurück auf  „das mangelnde Verständnis für das einem fremd gewordene Gemeinwesen“. Das Gemeinsame ist fremd geworden. Im Mittelpunkt des Interesses steht nur das Eigene. Eine düstere Diagnose.

    Ist es nicht erstaunlich, dass ein Virus vermag, was hunderttausende umweltpolitisch engagierter Menschen nicht konnten? Innerhalb von Wochen werden die CO2 - Emissionen herunterfahren. Zu welchem Preis? 

    So. Es könnte sein, dass bei aller digitalen und telefonischen Arbeit doch mehr freie Stunden in den eigenen vier Wänden auf uns alle zukommen als bisher. Mein Projekt:

    Wenn ich es in den kommenden Wochen nicht schaffe, die mit dem Nudelholz -„Matarello“ - ausgewalzte  norditalienische Eierpasta nach den Anweisungen der Großköchin Marcella Hazan herzustellen, gebe ich dieses Vorhaben für den Rest meiner Tage auf. Fertig gekaufte Spaghetti aus dem Supermarkt sind auch lecker

  • Die Ansprache von Frau Merkel gestern fand ich angemessen. Besonders hat mir der Aufruf zu „Vernunft und Disziplin“ gefallen. Ein schönes Geschwisterpaar.

    Heute ohne „Corona“.

    Wenige Bücher besitze ich in drei Ausgaben, eigentlich nur zwei: Die Bibel und die Gedichtsammlung „Der ewige Brunnen“, von Ludwig Reimer 1955 herausgegeben. Der Band steht bei mir im Amtszimmer, im Wohnzimmer und liegt auf dem Nachttisch. Im Vorwort heißt es - in einer uns fremd gewordenen Sprache: „Der Mensch unserer Tage ist oft der Belehrung so müde wie der Zerstreuung. Was er ersehnt, sind Wege zu tieferen Daseinsformen, Wege, die aus der Bedrängnis des Alltags herausführen, die den Blick freigeben auf unbekannte, auf schönere Reiche. Gerade diesen Blick schenkt uns das Gedicht. Es belehrt nicht: es erhellt. Es zerstreut nicht: es entrückt. Es läßt uns teilhaben an Welten, die allen anderen Schritten unerreichbar sind.“

    Aus dem Ewigen Brunnen das wohl berühmteste aller (deutschen) Frühlingsgedichte:

     

    ER ISTS

     

                                                   Frühling läßt sein blaues Band

                                                   Wieder flattern durch die Lüfte;

                                                   Süße, wohlbekannte Düfte

                                                   Streifen ahnungsvoll das Land.

                                                   Veilchen träumen schon,

                                                   Wollen bald kommen.

                                                   - Horch, von fern ein leiser Harfenton!

                                                   Frühling, ja du bists!

                                                   Dich hab ich vernommen!

     

                                                                                                           Eduard Mörike

     

    Und noch ein Frühlingsgedicht. Aus einer mittelalterlichen japanischen Sammlung mit dem schönen Namen „Shinkokinwakashu“ von Fujiwara Masatsune (1170 - 1221).

    Besuchen wollt´ ich

    Die Blüten - schon dunkelt es

    Zwischen den Bäumen:

    Da: unerwartet der Mond

    Über der Berge Gipfel!

  • Am Samstag und Sonntag wurden die Bäder auch an der Lübecker Bucht von Tagestouristen „überrannt“ - so die Vokabel von Ministerpräsident Günther. Heute schliessen die Restaurants, morgen müssen Touristen Schleswig - Holstein verlassen. Könnte es da einen Zusammenhang geben? Eine Lübecker Geschäftsfrau, sie besitzt einen Laden mit gehobener Deko, sagte mir vorhin einigermassen fassungslos, sie habe am Samstag einen Umsatz gemacht wie an einem Adventssamstag. Heute sind die Läden geschlossen. 

    Könnte es sein, dass wir eine Ausgangssperre brauchen? Da fällt mir eine  sarkastische Sentenz des Kirchenvaters Augustinus ein: „Wenn die Menschen die Gesetze nicht aus Einsicht befolgen, mögen sie es aus Furcht vor Strafen tun“.

    Wieviele Leben werden in diesen tagen in Sorge und Angst gestürzt? Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in Gastronomie und Hotellerie, Selbständige samt ihrer Angestellten. Kurzarbeitsgeld, das sind, soviel ich weiss, 60 %. Hinter dem Satz „Das Ostergeschäft fällt aus“ verbergen sich Dramen. 

    Heute war es in der Stadt zum ersten mal richtig anders. Stille. Auf der Morgenhunderunde wurden übrigens mehr Grüsse gewechselt als sonst. Der erstaunte Blick der Kassiererin, der man für ihre Arbeit dankt.

    Fernsehen: ich gucke viel mehr Fernsehen als vor „Corona“. Frühstücksfernsehen ab 5.30 Uhr. BBC. Die tägliche Pressekonferenz des Robert - Koch - Instituts ab 10.00 Uhr. Und die läuft dann mehr oder weniger als Endlosschleife auf ntv bis zu den Abendnachrichten. Ich muss das abstellen. Das macht mich verrückt. Auf eigenartige Weise entsteht ein Sog, ein Warten auf wieder höhere Infektionszahlen. Es gibt auch ein rätselhaftes Gefallen Finden an immer schlechteren Nachrichten... . Davon muss man sich frei machen.

    Wir haben heute die Konfirmation 2020 verschoben - nicht „abgesagt“ wie eine Pressemeldung über die Nordkirche heute wenig charmant verbreitete. Unsere Pröpstinnen haben dann empfohlen, die Feiern in den Spätsommer zu legen. 

    In Aegidien feiern wir die Konfirmation unserer 25 jungen Leute am Sonntag, dem 30. August. Der Kirchengemeinderat hat in einem Umlaufbeschluss diesen Termin beschlossen.

     

    Ach ja: wenig Sympathie habe ich im Moment für jene Herrschaften, die sich noch vorige Woche in Flieger nach fernen Sonnenstränden gesetzt haben und nun zurück geholt werden sollen.

    Gleich wird die Kanzlerin zu uns sprechen; ich bin wesentlich gespannter als vor ihrer Neujahrsansprache.

  • Der römische Dichter Horaz vergegenwärtigt in einigen wunderschönen, melancholischen Gedichten den Kontrast zwischen seinem eigenen, alternden Leben und dem alljährlich wiederkehrenden Frühling in der Natur. Was in Herbst und Winter abgestorben war, lebt im Frühling wieder auf. Bei sich selbst beobachtet er leider keine lockige Wiedererblondung seiner wenigen grauen Haare...

    Ich finde, man kann kann den Gedanken auch einmal umdrehen: Heute früh, schwierige Corona - Tage, brach ich gegen 7.15 Uhr mit dem Hund zur üblichen Runde auf: Krähenstrasse, Krähenteich, Wallanlagen bis zum Minigolfplatz, Katzenberg, Holstentor, Hüxstrasse, Frühstück für Hund und Herrchen. Nordisch blauer, hoher Himmel. Kein Windhauch. Am Wasserspielplatz ein Geräusch: ein Specht hämmerte eine Höhle in der riesigen, abgestorbenen Eiche auf der Wiese an der Seefahrtsschule. Ich habe ihn dann sogar entdeckt - ein Kleinspecht. Auf dem Wall über dem Buniamshof zwei Rotkelchen in einem Busch, auf Augenhöhe, ohne Angst, es war nur ein unkorrekter halber Meter zwischen uns. Unglaublich, dass in diesen Tierchen alles da ist: Hirn, Herz, Lunge, Rückgrat. Irgendwie ähneln sich eben Sonnensystem und Molekül. Und der Höhepunkt: Gerade wollten wir die Haustür aufschliessen, als wir  aufgeregte, schrille Rufe über uns hörten - auch der Hund guckte hoch. Um den Aegidienturm kreisten, nein, schossen vier (!) Falken durch die Luft. Keine Turmfalken, nein, Wanderfalken. Und ein Paar hat dann auch den Brutplatz im Turmgiebel besichtigt.

    Die Zukunftsdeutung aus dem Vogelflug will ich gern den alten etruskischen Sehern überlassen - aber das machte heute Morgen Mut und gute Laune.

    Hinter den Kulissen wird gearbeitet bis zur Erschöpfung: In Praxen und Kliniken, in Schulen und Kitas, in der Stadtverwaltung und in Kirchengemeinden. Ehrenamtler und Ehrenamtlerinnen sind im Einsatz. Geschäfte, Gastronomie  und Hotels blicken besorgt auf die kommenden Tage und Wochen. Doch vermute ich, das wissen Sie alle. Auch ich. Beten wir für die, die sich gerade aufreiben. Wie das geht? Ganz einfach; heute Abend vor dem Einschlafen Hände falten und leise sprechen - Sprechen ist wichtig, nicht nur Denken: „Gott, wer auch immer Du  bist, ich danke Dir für …, und ich bitte Dich für …, und: die Menschen, die ich mag und liebe, die Menschen, die ich nicht mag und nicht liebe, und - für mich selbst“.

    Gesellschaftsnachrichten: Am Samstagnachmittag brauchte ich noch Lebensmittel „aus der Stadt“ - für uns aus der Aegidienstrasse ist alles an Königstrasse, Markt und Klingenberg „die Stadt“. Also hoch durch die Hüxstrasse: An Stehtischen vor einem Lokal ein Trupp - Schwarm(?) von 10  erwachsenen, beschwipsten Frauen; nein, keine Moral jetzt, nur Staunen: Sie begrüssen und verabschieden sich mit Bussi-Bussi und Umarmen. Schon schräge. Ebenso die Sardinenbüchsenenge in einem Eisladen von etwa 10 Quadratmetern. 

    Heute dann anders. Beunruhigende Stille in den Straßen unter diesem fantastischen Firmament.  Unwirklich. Überquellende Einkaufswagen und richtige Schlangen an den Kassen. Man fühlte sich ein bisschen verantwortungslos mit drei Zitronen, einer Sahne und zwei Karamellpuddings.

    PS.: Ich wollte schon immer einmal einen Kirchentext mit „Karamellpudding“ als letztem Wort schreiben.

  • Gestern hat der Kirchengemeinderat beschlossen, dem Rat der Pröpstinnen zu folgen, den Betrieb unserer Gemeinde fast vollständig einzustellen. Gottesdienste, Konzerte, Gesprächskreise, Konfirmandenunterricht - alles ist abgesagt bis Ende April. Die Kirche bleibt geschlossen.

    Heute vormittag hatte ich Stallwache und war von 9.30 Uhr bis 10.10 Uhr in der Kirche. Drei Personen hatten sich vergeblich auf den Weg gemacht und die Bettlerin vor der Tür war enttäuscht.

    Es war ein seltsames Gefühl, am Sonntagmorgen in der leeren, stillen Kirche zu stehen. Ich vermute, wir erleben gerade das Ende einer Epoche. Es kann ja sein, dass in einem halben Jahr alles wieder beim alten ist, doch ich fürchte, es wird anders sein. Die Zeit der offenen Grenzen schien sich in den vergangenen Jahren ja eh schon ihrem Ende zuzuneigen, nun wird es konkret. Sorgloses Reisen um die Welt, Frieden und Freiheit, auf Wohlstand gegründet - oder muss man das umdrehen? „Wohlstand auf Frieden und Freiheit?“ - sorglose Geselligkeit im öffentlichen Raum, eine Vielfalt von Lebensformen und Lebensentwürfen: das gerät unter Druck, wenn das Geld ausgeht. 

    Andererseits: Hilfsbereitschaft in Viertel und Gemeinde; ich hatte mehrere Anrufe von jungen Leuten - „Herr Pastor, Sie kennen mich nicht, ich bin nur Heiligabend in der Kirche“ -, die Hilfe für Senioren anboten. Toll. Danke!

    Predigttext wäre heute ein Abschnitt aus dem Lukasevangelium gewesen, Lk 9, 57 - 62. Am Ende des 9. Kapitels macht Jesus sich auf nach Jerusalem. Bisher war er mal hier, mal da: nun wird eine Richtung sichtbar. Wie im Leben: nach zwei, drei Jahrzehnten, in denen vieles möglich ist, manches ausprobiert wird, schält sich eine Richtung heraus. Wie auf der Autobahn von Köln nach Flensburg: ab Hamburg werden die Ausfahrten seltener. 

    Umständlich erzählt Lukas in 9,57 „als sie auf dem Wege wanderten“: „WEG“ ist für Lukas eine Bezeichnung des Christentums. Nicht „Lehre“, nicht „Dogma“, nicht „Konfession“, sondern ein WEG, den man gehen muss / kann / darf.

    Drei Wortwechsel mit Jesus: Drei Personen wollen ihm folgen und erhalten harte Antworten:

    1. „Ich werde dir folgen, wohin immer du gehst“ - Den Mund ein bisschen zu voll genommen. Der Satz erinnert mich an Petrus. Niemals wollte er Jesus verraten und erhält die Prophezeiung „Bevor der Hahn dreimal kräht … .“  Der Mensch hat weder Höhle noch Nest. Es gibt keinen Ort. Nirgends. Wir sind unterwegs, es gibt kein Bleiben. Das ist unsere Not und Grund unserer Freiheit.
    2. Er will noch seinen Vater beerdigen und erhält die Antwort „Lass die Toten die Toten begraben“. Bekanntlich buddeln Tote nicht. Es ist also ein Bild. Lass was unfruchtbar ist, was nicht mehr dem Leben dient, hinter dir zurück.
    3. „Mich nur noch von meinem Haus - d.h. meinem sozialen Umfeld - verabschieden“: Die Antwort: „Wer die Hand an den Pflug legt und blickt zurück, ist nicht geeignet für das Gottesreich“. Lots Frau im Alten Testament. Gegen den Befehl des Engels dreht sie sich um und blickt auf das brennende Sodom - und erstarrt zur Salzsäule. Da sind sie wieder, die Geister unserer Vergangenheit. Manchmal schützende Geister, manchmal gefräßige Gesellen. 

    Wer sich auf den Weg begibt, wird beschenkt mit Gemeinschaft jenseits von Heimat, Tradition und Familie. Doch diese Geschenk hat seinen Preis. Wie sagte irgendjemand Kluges? „Weisheit heisst, die Preise kennen“.

Die Pasta vom 30. März